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Fakt statt Fake

„Wer friert, erkältet sich.“ Stimmt das?

Die Annahme, dass Frieren eine Erkältung auslöst, ist weit verbreitet. Wie viel daran stimmt, lässt sich an einer randomisierten Studie mit kalten Füßen, an Laborversuchen mit Zellen der Nasenschleimhaut und an älteren Versuchen prüfen, bei denen Erkältungsviren direkt in die Nase gegeben wurden.

Stand 17.10.20267 Min. Lesezeit4 Belege

Kurz gesagt

Das stimmt nur teilweise: Auslöser einer Erkältung sind Viren,3 doch Kälte kann dazu beitragen, dass Erkältungssymptome auftreten.1 In einer randomisierten Studie meldeten 13 von 90 Personen nach dem Abkühlen der Füße eine Erkältung, in der Vergleichsgruppe waren es 5 von 90; der Unterschied war nur knapp signifikant, und ob ein Virus dahintersteckte, blieb offen.1 Im Labor schwächte Kälte die Abwehr von Nasenzellen,2 in Versuchen mit Erkältungsviren in der Nase zeigte sie dagegen keine Wirkung auf die Ansteckung.4

Der Beitrag als Karussell

swipedichschlau
Slide 1: „Wer friert, erkältet sich.“ Stimmt das? Auf einer blauen Fläche stehen ein Thermometer mit niedrigem Stand und ein mintfarbenes Virus mit gelben Stacheln, neben dem Thermometer zeigt ein gelber Pfeil nach unten, darüber schweben 3 Schneeflocken, und daneben steht Kopfi, die Glühbirne, mit einer Lupe.
Slide 2: Teils. Kälte kann Erkältungssymptome begünstigen. Im Labor schwächte sie die Abwehr von Nasenzellen. Auslöser einer Erkältung sind aber Viren. Die Grafik setzt „Kälte“ mit „Einfluss“ und „Viren“ mit „Auslöser“ gleich.
Slide 3: Wie wirkt Kälte auf deine Nase? Bei kalter Luft maßen Forschende in der Nase eine um rund 5 °C tiefere Temperatur. Bei dieser Kühlung gaben Nasenzellen im Labor 42 % weniger Bläschen gegen Viren ab. Vermutet wird, dass kalte Haut die Blutgefäße der Nase verengt und die Abwehr hemmt.
Slide 4: Was folgt auf kalte Füße? In einer Studie wurden bei 90 von 180 Personen die Füße abgekühlt. Sie meldeten danach häufiger eine Erkältung als die anderen 90. Die Säulengrafik „Erkältung gemeldet in den 4 bis 5 Tagen danach“ zeigt für „Füße abgekühlt“ (13 von 90 Personen) 14 % und für „Vergleichsgruppe“ (5 von 90 Personen) 6 %. Der Unterschied beruht auf 18 Fällen und ist nur knapp signifikant.
Slide 5: Kälte allein reicht nicht. Mit welchem Satz wurdest du als Kind vor dem Frieren gewarnt?
Slide 6: Die Slide listet die 4 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Beim Lesen zeigt das Handy die Slide zum Abschnitt.

01die antwort

Bekommt man eine Erkältung durch Kälte?

Die Behauptung „Wer friert, erkältet sich“ ist teilweise richtig. Sie gibt eine weit verbreitete Annahme wieder, die in der Fachliteratur auch als Volksweisheit bezeichnet wird.1 4 Auslöser einer Erkältung sind jedoch Viren: Meist sind sie die Ursache von Atemwegsinfektionen, darunter sogenannte Erkältungsviren wie Rhinoviren.3

Die typischen Krankheitszeichen wie Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen entstehen, wenn Erkältungsviren die Schleimhäute befallen, reizen oder schädigen und die Immunabwehr des Körpers einsetzt.3 Kälte allein reicht für eine Erkältung deshalb nicht aus.3 4

Kälte kann aber beeinflussen, ob Erkältungssymptome auftreten: In einer randomisierten Studie, das heißt mit zufälliger Verteilung auf die Gruppen, meldeten Personen, deren Füße abgekühlt worden waren, in den folgenden Tagen häufiger eine Erkältung als die Vergleichsgruppe.1 Nach einer Hypothese aus dem Jahr 2002 wirkt Kälte auf den Ausbruch einer schon vorhandenen, unbemerkten Infektion.4

Gegen eine Wirkung der Kälte auf die Ansteckung selbst sprechen ältere Versuche, bei denen Erkältungsviren direkt in die Nase gegeben und die Versuchspersonen Kälte ausgesetzt wurden: Sie fanden keinen Einfluss der Kälte darauf, ob sich jemand ansteckte.4 Auf diese früheren Befunde verweist auch die Studie mit kalten Füßen.1 Nach einer Übersichtsarbeit von 2002, also einer Zusammenfassung des Forschungsstands, lehnte die damalige Fachmeinung einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung ab.4

KÄLTEheißtEinfluss1
VIRENheißtAuslöser3

02der mechanismus

Wie wirkt Kälte auf die Abwehr in der Nase?

Wie stark kalte Luft das Innere deiner Nase abkühlen kann, hat eine 2023 erschienene Studie bei gesunden Personen gemessen.2 Als die Umgebungsluft von 23,3 auf 4,4 °C abkühlte, sank die Temperatur in der Nase je nach Messstelle um bis zu 6,4 beziehungsweise 4,7 °C.2 Die Forschenden fassen das als Absenkung um rund 5 °C zusammen.2

Diese Absenkung übertrugen die Forschenden auf Laborversuche und kühlten Zellen der Nasenschleimhaut sowie frische Gewebeproben aus der Nase von 37 auf 32 °C.2 Untersucht wurden winzige Bläschen, die die Zellen abgeben, sogenannte extrazelluläre Vesikel; sie können Viren binden und dadurch neutralisieren.2 Als Reiz diente ein Stoff, der eine Virusinfektion der Atemwege nachahmt.2 Bei 32 °C gaben die Zellen insgesamt 41,9 % weniger Vesikel ab, gerundet 42 %.2

Nach der Zusammenfassung der Studie schwächte die Kälte die antivirale Wirkung der Vesikel in mehrfacher Hinsicht: Es entstanden insgesamt weniger Vesikel, und jedes einzelne enthielt weniger miRNA, also kurze RNA-Moleküle, und band Viren schwächer.2 Mit echten Viren, nämlich dem Coronavirus OC43 und den Rhinoviren RV-1B und RV-16, arbeiteten die Forschenden nur in Zellkulturen: Waren diese mit Vesikeln vorbehandelt, die bei 32 °C entstanden waren, fand sich danach mehr Virus-RNA, also mehr Erbgut der Viren.2

Einen weiteren möglichen Weg beschreibt die Hypothese aus der Übersichtsarbeit von 2002: Danach verengen sich die Blutgefäße in Nase und oberen Atemwegen reflexartig, wenn die Körperoberfläche plötzlich abkühlt.4 Diese Verengung könnte die Abwehr der Atemwege hemmen und so aus einer unbemerkten Virusinfektion eine Erkältung mit Symptomen machen.4

  1. Bei kalter Luft

    maßen Forschende in der Nase eine um rund 5 °C tiefere Temperatur.2

  2. Bei dieser Kühlung

    gaben Nasenzellen im Labor 42 % weniger Bläschen gegen Viren ab.2

  3. Vermutet wird,

    dass kalte Haut die Blutgefäße der Nase verengt und die Abwehr hemmt.4

03die einordnung

Was zeigt die Studie zu kalten Füßen und Erkältung?

Eine Studie von 2005 hat geprüft, ob das Abkühlen der Füße Erkältungssymptome begünstigt.1 Dazu wurden 180 gesunde Personen per Zufall auf 2 Gruppen verteilt: Bei 90 wurden die Füße abgekühlt, die übrigen 90 durchliefen ein Kontrollverfahren.1 Alle bewerteten ihre Erkältungssymptome selbst: vor dem Versuch, direkt danach und an den 4 bis 5 folgenden Tagen zweimal täglich.1 Wie genau die Füße gekühlt wurden, beschreibt nur der Volltext der Studie, den wir nicht einsehen konnten.

In den 4 bis 5 Tagen nach dem Versuch meldeten 13 der 90 Personen mit abgekühlten Füßen eine Erkältung, in der Vergleichsgruppe waren es 5 von 90, gerundet also 14 % gegenüber 6 %.1 Auch die Symptomwerte, über die Tage 1 bis 4 zusammengezählt, lagen in der gekühlten Gruppe im Mittel höher, bei 5,16 gegenüber 2,89.1 Unmittelbar nach dem Abkühlen zeigten die Symptomwerte dagegen keine Veränderung.1

Der Abstand beruht auf nur 18 Erkältungsfällen in beiden Gruppen zusammen.1 Der sogenannte p-Wert gibt an, wie wahrscheinlich ein mindestens so großer Unterschied wäre, wenn das Abkühlen keine Wirkung hätte; er lag bei 0,047 und damit knapp unter der üblichen Signifikanzschwelle von 0,05.1 Umgekehrt meldeten 77 der 90 Personen mit abgekühlten Füßen keine Erkältung.1 Die 18 Personen mit Erkältung gaben zudem an, generell mehr Erkältungen pro Jahr zu haben als die übrigen Teilnehmenden.1

Ob hinter den gemeldeten Erkältungen ein Virus steckte, ließ die Studie offen; die Erkältungen beruhen allein auf den Angaben der Teilnehmenden.1 Die Forschenden folgern, dass das Abkühlen der Füße bei rund 10 % der Gekühlten Erkältungssymptome auslöst, was etwa dem Abstand zwischen den Gruppen von 8,9 Prozentpunkten entspricht.1 Wie die Symptome mit einer Atemwegsinfektion zusammenhängen, müssen nach ihrer Einschätzung weitere Studien klären.1

Erkältung gemeldet in den 4 bis 5 Tagen danach¹

Füße abgekühlt13 von 90 PersonenVergleichsgruppe5 von 90 Personen
Der Unterschied beruht auf 18 Fällen und ist nur knapp signifikant.

04der wahre kern

Wie belastbar ist der Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung?

Den wahren Kern der Behauptung stützen in den hier ausgewerteten Quellen eine kleine randomisierte Studie mit selbst gemeldeten Erkältungen, ein Laborbefund an Nasenzellen und eine Hypothese.1 2 4 Keiner dieser Befunde trägt die Behauptung für sich allein: Die Studie mit kalten Füßen beruht auf 18 Fällen und lässt offen, ob ein Virus beteiligt war,1 und der Weg über die Blutgefäße der Nase ist als Hypothese formuliert.4

Auch der Laborbefund lässt sich nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen: Am Menschen hat die Studie von 2023 nur die Temperatur in der Nase gemessen, die geschwächte Abwehr zeigte sich an Zellen und Gewebeproben im Labor, mit einem Stoff, der eine Virusinfektion nur nachahmt.2 Ob die Abwehr in deiner Nase nachlässt, wenn du frierst, ist damit nicht gemessen.2

Mit den älteren Infektionsversuchen steht die Hypothese nicht im Widerspruch, denn sie verbindet die Kälte nicht mit der Ansteckung, sondern mit dem Ausbruch von Symptomen einer schon bestehenden Infektion.4 Die Aussage, dass Kälte allein nicht reicht, gilt für die Erkältung als Virusinfektion.3 4 Ob Kälte ohne Virus etwa einen Schnupfen auslösen kann, beantworten die hier ausgewerteten Quellen nicht.

Kälte allein reicht nicht.

05die übertragung

Wie verbreiten sich Erkältungsviren?

Erkältungen zählen zu den Atemwegsinfektionen, die nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) vor allem durch erregerhaltige Tröpfchen oder Aerosole übertragen werden.3 Aerosole sind winzige, in der Luft schwebende Tröpfchen; Tröpfchen wie Aerosole werden beim Niesen, Husten, Sprechen und Atmen freigesetzt und gelangen so von Erkrankten zu Gesunden.3 Daneben nennt das BIÖG Schmierinfektionen.3

Besonders im Herbst und im Winter sind zahlreiche Erreger im Umlauf, die unter anderem Erkältungen, Grippe oder COVID-19 verursachen können.3 Unter den Ursachen und Übertragungswegen, die das BIÖG auf seiner Seite zu Atemwegsinfektionen nennt, kommt Kälte nicht vor.3

06häufige fragen

Häufige Fragen

Kann man sich durch Frieren erkälten?

Durch Frieren allein erkältest du dich nicht, denn Auslöser einer Erkältung sind Viren.3 Kälte kann aber dazu beitragen, dass Erkältungssymptome auftreten: In einer Studie meldeten nach dem Abkühlen der Füße 13 von 90 Personen eine Erkältung, in der Vergleichsgruppe 5 von 90.1 Der Unterschied war nur knapp signifikant, und ob ein Virus dahintersteckte, blieb offen.1

Wie entsteht eine Erkältung durch Kälte?

Kälte ist nicht der Auslöser einer Erkältung; die Krankheitszeichen entstehen, wenn Erkältungsviren die Schleimhäute befallen und die Immunabwehr einsetzt.3 Nach einer Hypothese von 2002 verengt plötzliche Kälte an der Haut reflexartig die Blutgefäße der Nase, was die Abwehr hemmen und eine unbemerkte Infektion zum Ausbruch bringen könnte.4

Bekommt man durch kalte Füße eine Erkältung?

In einer randomisierten Studie mit 180 gesunden Personen meldeten 13 von 90 eine Erkältung, nachdem ihre Füße abgekühlt worden waren; in der Vergleichsgruppe waren es 5 von 90.1 Der Unterschied beruht auf 18 Fällen und ist nur knapp signifikant; die Erkältungen wurden selbst gemeldet, und ob ein Virus dahintersteckte, blieb offen.1

Schwächt Kälte die Abwehr in der Nase?

Im Labor ließ sich das zeigen: Wurden Zellen der Nasenschleimhaut um 5 °C gekühlt, gaben sie 42 % weniger winzige Bläschen ab, die Viren binden und neutralisieren können.2 Um rund 5 °C sank in derselben Studie die Temperatur in der Nase gesunder Personen, als die Umgebungsluft deutlich abkühlte.2 Ob die Abwehr bei frierenden Menschen ebenso nachlässt, wurde nicht gemessen.2

Wie werden Erkältungen übertragen?

Erkältungen zählen zu den Atemwegsinfektionen, und diese werden vor allem durch erregerhaltige Tröpfchen oder Aerosole übertragen, die beim Niesen, Husten, Sprechen und Atmen freigesetzt werden.3 Daneben nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit Schmierinfektionen; besonders im Herbst und im Winter sind viele Erreger im Umlauf.3

07belege

Belege

  1. [1]Johnson, C., Eccles, R. (2005). Acute cooling of the feet and the onset of common cold symptoms. Family Practice 22 (6), 608–613. doi.org/10.1093/fampra/cmi072
  2. [2]Huang, D., Taha, M. S., Nocera, A. L., Workman, A. D., Amiji, M. M., Bleier, B. S. (2023). Cold exposure impairs extracellular vesicle swarm-mediated nasal antiviral immunity. Journal of Allergy and Clinical Immunology 151 (2), 509–525.e8. doi.org/10.1016/j.jaci.2022.09.037
  3. [3]Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (2025). Atemwegsinfektionen. infektionsschutz.de, Stand 17.03.2025. www.infektionsschutz.de/infektionen/krankheitsbilder/atemwegsinfektionen/, abgerufen am 16.10.2026
  4. [4]Eccles, R. (2002). Acute cooling of the body surface and the common cold. Rhinology 40 (3), 109–114. europepmc.org/article/MED/12357708, abgerufen am 16.10.2026

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 17.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

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