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Aus aktuellem Anlass

Jugendwort 2026: Was ist Ragebait?

Ragebait ist das Jugendwort des Jahres 2026. Gemeint sind Beiträge, die dich absichtlich wütend machen sollen, weil Wut Kommentare, Shares und damit Reichweite bringt. Wir erklären, woher das Wort kommt und was die Forschung über den Wut-Köder weiß.

Stand 15.10.20263 Min. Lesezeit6 Belege

Der Beitrag als Karussell

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Slide 1: Jugendwort 2026: Was ist Ragebait? Eine rosa Sprechblase mit drei Ausrufezeichen hängt an einem Angelhaken, daneben Kopfi, die Glühbirne, mit genervtem Gesicht.
Slide 2: Wut-Köder. Gemeint sind Beiträge, die absichtlich wütend machen sollen: mit Provokationen, offensichtlichen Falschbehauptungen oder absurden Meinungen. Grafik: RAGE gleich Wut, BAIT gleich Köder.
Slide 3: Wie wirkt der Köder? Provokation. Eine steile These oder eine offensichtliche Falschbehauptung. Reaktion. Wer sich aufregt, kommentiert und teilt. Reichweite. Kommentare und Shares bringen dem Beitrag Reichweite. Wer sich aufregt, hilft dem Köder.
Slide 4: Was sagt die Forschung? Säulengrafik Mehr Shares pro moralisch-emotionalem Wort: Erste Studie 2017: +20 %, Auswertung 2025: +13 %. = ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung
Slide 5: Erst prüfen, dann aufregen. Liste der 5 Belege. Grenzen: Die Studien messen, wie oft Beiträge geteilt werden, nicht, ob sie wütend machen. Sie zeigen einen Zusammenhang, keinen Beweis. Welches Wort hättest du gewählt: Ragebait, Crashout oder Peak?

Beim Lesen zeigt das Handy die Slide zum Abschnitt.

Kurz gesagt

  • Ragebait ist das Jugendwort des Jahres 2026. Langenscheidt hat es am 10.10.2026 verkündet, im Finale standen außerdem Crashout und Peak.1
  • Das Wort verbindet das englische rage (Wut) und bait (Köder). Gemeint sind Beiträge, die gezielt wütend machen sollen.1 2
  • Im Englischen ist es schon länger angekommen: Oxford University Press kürte „rage bait“ zum Wort des Jahres 2025.3
  • Studien zeigen einen Zusammenhang: Pro moralisch-emotionalem Wort wurden Beiträge im Schnitt rund 13 % häufiger geteilt. Ein Beweis für Ursache und Wirkung ist das nicht.4

01die antwort

Wut-Köder: was Ragebait bedeutet

Ragebait setzt sich aus 2 englischen Wörtern zusammen: rage heißt Wut, bait heißt Köder.2 Gemeint sind Beiträge, die absichtlich wütend machen sollen – mit Provokationen, offensichtlichen Falschbehauptungen oder absurden Meinungen.1

Es geht dabei nicht darum, dich zu überzeugen, sondern um deine Reaktion. Wer sich aufregt, kommentiert, widerspricht oder teilt den Beitrag und verschafft ihm damit Reichweite.1

Neu ist das Wort nicht. Im Englischen ist es schon länger angekommen; Oxford University Press hat „rage bait“ am 01.12.2025 zum Oxford Word of the Year 2025 gekürt.3

RAGEheißtWut2
BAITheißtKöder2

02die wahl

So wurde Ragebait zum Jugendwort 2026

Das Jugendwort des Jahres vergibt der Verlag Langenscheidt. Zuerst gehen Vorschläge ein; ein Langenscheidt-Gremium prüft die meistgenannten Einsendungen und stellt daraus eine Top 10 zusammen.1

Danach wird online abgestimmt. In die offizielle Auswertung fließen nur die Stimmen von Jugendlichen ein. Verkündet wurde das Ergebnis am 10.10.2026; neben Ragebait standen Crashout und Peak im Finale.1

03der mechanismus

Wie der Köder wirkt

Der Ablauf hat 3 Schritte. Ob du zustimmst oder widersprichst, ist dem Köder dabei gleich: Beides ist eine Reaktion.1

  1. Provokation

    Eine steile These oder eine offensichtliche Falschbehauptung, gebaut, um dich wütend zu machen.1

  2. Reaktion

    Wer sich aufregt, kommentiert und teilt.1

  3. Reichweite

    Kommentare und Shares bringen dem Beitrag Reichweite.1

Wer sich aufregt, hilft dem Köder.

04die forschung

Was die Forschung zeigt

Ob moralisch aufgeladene Sprache Beiträge weiter trägt, wird seit einigen Jahren untersucht. Eine Studie von 2017 wertete 563.312 Tweets zu Waffenrecht, gleichgeschlechtlicher Ehe und Klimawandel aus: Pro zusätzlichem moralisch-emotionalem Wort wurden Beiträge im Schnitt rund 20 % häufiger retweetet.5

Unumstritten war der Befund nicht. 2021 stellten Burton, Cruz und Hahn die Belege für diese „moralische Ansteckung“ infrage.6 Eine vorab registrierte Wiederholung mit Meta-Analyse aus 5 Laboren und 27 Studien mit zusammen 4.821.006 Beiträgen bestätigte den Effekt 2025, schätzt ihn aber kleiner: Pro moralisch-emotionalem Wort lag die erwartete Zahl der Shares im Schnitt um 13 % höher, mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 6 bis 20 %.4

Gemessen wurde allerdings nur, wie oft Beiträge geteilt werden, nicht, ob sie wütend machen oder wie viele Kommentare sie bekommen. Es sind Beobachtungsdaten: Sie zeigen einen Zusammenhang, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung.4 5

Mehr Shares pro moralisch-emotionalem Wort

Erste Studie 20175563.312 TweetsAuswertung 2025427 Studien, 4,8 Mio. Beiträge
= ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung

05der merksatz

Erst prüfen, dann aufregen

Bevor du auf einen Aufreger reagierst, lohnt sich ein zweiter Blick. Dabei helfen 3 Fragen.

  • Wem nützt deine Reaktion? Ein Kommentar unter einem Köder-Beitrag bringt ihm Reichweite, auch wenn er widerspricht.
  • Stimmt das überhaupt? Wer behauptet es, und gibt es eine Quelle, die du selbst nachlesen kannst?
  • Bringt der Beitrag eine Information oder vor allem Ärger? Wenn er nur provozieren will, scroll weiter: So bekommt er von dir keine Reichweite.

GrenzenDie Studien messen, wie oft Beiträge geteilt werden, nicht, ob sie wütend machen. Sie zeigen einen Zusammenhang, keinen Beweis.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Was bedeutet Ragebait?

Ragebait, von englisch rage (Wut) und bait (Köder), bezeichnet Beiträge, die absichtlich wütend machen sollen, etwa durch Provokationen, offensichtliche Falschbehauptungen oder absurde Meinungen. Die Wut soll Kommentare, Shares und damit Reichweite bringen.1 2

Wann wurde Ragebait Jugendwort des Jahres?

Langenscheidt hat Ragebait am 10.10.2026 als Jugendwort des Jahres 2026 verkündet. Im Finale standen außerdem Crashout und Peak.1

Wer wählt das Jugendwort des Jahres?

Ein Langenscheidt-Gremium prüft die meistgenannten Einsendungen und stellt eine Top 10 zusammen. Danach wird online abgestimmt; in die offizielle Auswertung fließen nur die Stimmen von Jugendlichen ein.1

Ist Ragebait ein englisches Wort?

Ja. „Rage bait“ stammt aus dem Englischen. Oxford University Press hat es am 01.12.2025 zum Oxford Word of the Year 2025 gekürt.3

Verbreiten sich wütende Beiträge wirklich schneller?

Die Forschung findet einen Zusammenhang: In einer Auswertung von 27 Studien mit rund 4,8 Mio. Beiträgen wurden Beiträge pro zusätzlichem moralisch-emotionalem Wort im Schnitt rund 13 % häufiger geteilt. Gemessen wurde das Teilen, nicht die Wut, und ein Beweis für Ursache und Wirkung ist das nicht.4

Wie erkenne ich Ragebait?

Typisch sind steile Thesen, offensichtliche Falschbehauptungen oder absurde Meinungen, die vor allem Widerspruch auslösen sollen.1 Ein einfacher Test ist die Frage, ob der Beitrag eine überprüfbare Information bringt oder vor allem Ärger.

07belege

Belege

  1. [1]Langenscheidt (2026). Jugendwort des Jahres 2026: Ragebait. www.langenscheidt.com/jugendwort-des-jahres, abgerufen am 12.10.2026
  2. [2]Langenscheidt. Wörterbuch Englisch–Deutsch: Einträge „rage“ und „bait“. de.langenscheidt.com/englisch-deutsch/rage, abgerufen am 12.10.2026
  3. [3]Oxford University Press (2025). Oxford Word of the Year 2025: rage bait. Bekanntgabe am 01.12.2025. corp.oup.com/word-of-the-year/, abgerufen am 12.10.2026
  4. [4]Brady, W. J., Rathje, S., Globig, L. K., Van Bavel, J. J. (2025). Estimating the effect size of moral contagion in online networks: A pre-registered replication and meta-analysis. PNAS Nexus 4 (11), pgaf327. doi.org/10.1093/pnasnexus/pgaf327
  5. [5]Brady, W. J., Wills, J. A., Jost, J. T., Tucker, J. A., Van Bavel, J. J. (2017). Emotion shapes the diffusion of moralized content in social networks. PNAS 114 (28), 7313–7318. doi.org/10.1073/pnas.1618923114
  6. [6]Burton, J. W., Cruz, N., Hahn, U. (2021). Reconsidering evidence of moral contagion in online social networks. Nature Human Behaviour 5 (12), 1629–1635. doi.org/10.1038/s41562-021-01133-5

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