01die antwort
Brauchst du 10.000 Schritte am Tag?
Die Behauptung, 10.000 Schritte täglich seien notwendig, um gesund zu bleiben, ist nach den vorliegenden Metaanalysen falsch. Ein niedrigeres Sterberisiko zeigt sich schon weit unter 10.000 Schritten.1 2
Eine Metaanalyse von 2022 wertete 15 Kohorten mit 47.471 Erwachsenen aus, die im Median gut 7 Jahre beobachtet wurden.1 Verglichen mit der Gruppe, die am wenigsten ging, mit rund 3.500 Schritten am Tag, lag das Sterberisiko bei rund 5.800 Schritten 40 % niedriger, bei rund 7.800 Schritten 45 % und bei rund 10.900 Schritten 53 % niedriger.1 Der größte Unterschied liegt also zwischen den beiden untersten Gruppen.1
Diese Daten stammen aus Beobachtungsstudien und erlauben keine Aussage über Ursache und Wirkung.1 Ein Teil des Zusammenhangs kann entstehen, weil kranke Menschen weniger gehen.1 3
Sterberisiko nach Schritten pro Tag, Gruppe mit den wenigsten Schritten = 100 %1
02die herkunft
Woher stammt die Zahl 10.000?
Die Zahl stammt nicht aus einer Studie.5 1965 entwickelte die Firma Yamasa in Tokio einen Schrittzähler namens „Manpo-kei“, übersetzt „10.000-Schritte-Messer“, und der Slogan von 10.000 Schritten am Tag kam um diese Zeit in Japan auf, kurz nach den Olympischen Spielen in Tokio.5
Diese Schrittzahl galt damals als ausreichend, um das Risiko einer koronaren Herzkrankheit zu senken.5 Für die Empfehlung gab es laut der Metaanalyse von 2022 aber wenig Belege, obwohl sie weit verbreitet ist.1
1965 entwickelte
die Firma Yamasa in Tokio den Schrittzähler „Manpo-kei“.5
Der Name bedeutet
übersetzt „10.000-Schritte-Messer“.5
Die 10.000 galten
damals als ausreichend, um der koronaren Herzkrankheit vorzubeugen.5
Die Zahl begann als Slogan.5
03die kurve
Ab wann flacht das Risiko ab?
Nach der Metaanalyse von 2022 hängt die Antwort vom Alter ab: Ab 60 Jahren sank das Sterberisiko mit steigender Schrittzahl bis etwa 6.000 bis 8.000 Schritte und flachte dann ab, bei Jüngeren erst bei etwa 8.000 bis 10.000 Schritten.1 Die 10.000 sind damit für Jüngere die Obergrenze dieses Bereichs, nicht seine Untergrenze.1
Eine 2. Metaanalyse von 2023 mit 17 Studien und 226.889 Menschen fand dagegen bis in die Gruppe mit 11.529 Schritten weiter sinkende Werte.2 Je 1.000 Schritte mehr lag das Sterberisiko durchschnittlich 15 % niedriger, je 500 Schritte mehr das Risiko eines Herz-Kreislauf-Todes 7 % niedriger.2 Bei 11.529 Schritten lag das Sterberisiko 67 % unter dem bei 3.867 Schritten.2
Die Studien der Metaanalyse von 2022 maßen die Schritte meist mit Geräten an der Hüfte; Geräte am Handgelenk können andere Werte liefern.1
04die krankheiten
Gilt das auch für Krankheiten?
Eine Metaanalyse von 2025 verglich 7.000 mit 2.000 Schritten am Tag.3 Bei 7.000 Schritten lag das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 25 % niedriger, das Demenzrisiko 38 % niedriger; die Gewissheit dieser Evidenz gilt bei beiden als mittel.3
Der Demenzwert beruht allerdings auf nur 2 Studien.3 Es sind Beobachtungsstudien, und verbleibende Störfaktoren können die Ergebnisse verzerren.3
Die Autorinnen und Autoren halten 10.000 Schritte für ein mögliches Ziel für Menschen, die ohnehin aktiver sind; 7.000 Schritte gehen nach ihrer Auswertung mit klinisch bedeutsamen Verbesserungen einher und seien für manche ein realistischeres Ziel.3

05die empfehlung
Was empfiehlt die WHO?
Die Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation von 2020 nennt keine Schrittzahl.4 Sie empfiehlt Erwachsenen pro Woche 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung mittlerer Intensität.4
Für alle Bevölkerungsgruppen gilt laut WHO, dass etwas Bewegung besser ist als keine.4 Mehr Bewegung ist besser, doch bei viel Bewegung wächst der zusätzliche Nutzen langsamer; ab welcher Menge das beginnt, lässt sich nach der Leitlinie nicht festlegen.4

06häufige fragen
Häufige Fragen
Wie viele Schritte am Tag sind gesund?
Eine feste Zahl belegen die Studien nicht. In einer Metaanalyse lag das Sterberisiko schon bei rund 5.800 Schritten 40 % niedriger als bei rund 3.500; ab 60 Jahren flachte der Zusammenhang bei 6.000 bis 8.000 Schritten ab, bei Jüngeren bei 8.000 bis 10.000.1
Woher kommen die 10.000 Schritte?
Die Zahl begann um 1965 in Japan als Slogan; die Firma Yamasa entwickelte damals den Schrittzähler „Manpo-kei“, übersetzt „10.000-Schritte-Messer“.5
Was empfiehlt die WHO?
Die WHO empfiehlt Erwachsenen pro Woche 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung mittlerer Intensität und nennt keine Schrittzahl.4
Zählen Uhren am Handgelenk genauso wie die Geräte in den Studien?
Nicht unbedingt: Die Studien der Metaanalyse von 2022 maßen meist an der Hüfte, und Geräte am Handgelenk können andere Werte liefern.1
07belege
Belege
- [1]Paluch, A. E. u. a. (2022). Daily steps and all-cause mortality: a meta-analysis of 15 international cohorts. Lancet Public Health 7 (3), e219–e228. doi.org/10.1016/S2468-2667(21)00302-9
- [2]Banach, M. u. a. (2023). The association between daily step count and all-cause and cardiovascular mortality: a meta-analysis. European Journal of Preventive Cardiology 30 (18), 1975–1985. doi.org/10.1093/eurjpc/zwad229
- [3]Ding, D. u. a. (2025). Daily steps and health outcomes in adults: a systematic review and dose-response meta-analysis. Lancet Public Health 10 (8), e668–e681. doi.org/10.1016/S2468-2667(25)00164-1
- [4]Bull, F. C. u. a. (2020). World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 54 (24), 1451–1462. doi.org/10.1136/bjsports-2020-102955
- [5]Bassett, D. R. u. a. (2017). Step Counting: A Review of Measurement Considerations and Health-Related Applications. Sports Medicine 47 (7), 1303–1315. doi.org/10.1007/s40279-016-0663-1
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