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Rubrik: Fakt statt FakeThema: Psychologie

Ist deine Generation narzisstischer als frühere?

Die These einer Narzissmus-Epidemie unter jungen Menschen hält sich seit 2008. Eine weltweite Metaanalyse mit mehr als einer halben Million Befragten zeigt dagegen seit 1982 eher sinkende Werte; warum Jüngere trotzdem narzisstischer wirken, erklärt eine Metaanalyse zum Lebenslauf.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit5 Belege

Der Beitrag als Karussell

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Slide 1: Ist deine Generation narzisstischer als frühere? Eine Person mit langem dunklem Haar und rosa Pulli steht neben einer Narzisse, die sich über einen kleinen Teich beugt und sich darin spiegelt, und notiert ihre Beobachtung in einem offenen Notizbuch; daneben steht Kopfi klein mit einer Lupe.
Slide 2: Nein. Junge Erwachsene sind heute nicht narzisstischer als frühere Jahrgänge im selben Alter. Weltweit sind die Werte seit 1982 eher gesunken. Die Grafik ordnet 4 Auswertungen auf einer Leiste von „gestiegen“ über „gleich“ bis „gesunken“ ein, jeweils für den Stand am Ende gegenüber dem Anfang der Daten. Eine Metaanalyse mit 16.475 US-Studierenden von 1979 bis 2006 steht bei „gestiegen“. Eine Metaanalyse für die USA von 1982 bis 2016 fand einen Anstieg bis 2008 und danach einen Rückgang und steht bei „gleich“. Eine Studie mit 60.225 US-Studierenden aus den 1990er- bis 2010er-Jahren und eine Metaanalyse mit 546.225 Befragten aus 55 Ländern von 1982 bis 2023 stehen bei „gesunken“.
Slide 3: Wie misst man Narzissmus? Narzissmus meint ein überhöhtes Selbstwertgefühl bei wenig Einfühlungsvermögen. Der Fragebogen NPI fragt in 40 Aussagenpaaren etwa nach Eitelkeit und Führungsanspruch. Er erfasst ein Persönlichkeitsmerkmal unterhalb der Schwelle einer Störung.
Slide 4: Was wird verglichen? Die Grafik zeigt einen maßstabsgetreuen Balken für 1.621 Stichproben: 868 Stichproben mit Studierenden in Blau (53,55 %) und 753 Stichproben aus der Bevölkerung in Lavendel (46,45 %). Daneben stehen die Schritte der weltweiten Auswertung: 1.621 Stichproben aus 1.105 Studien in 55 Ländern, etwas mehr als die Hälfte davon mit Studierenden, Alter und Geschlecht herausgerechnet. Man vergleicht Gleichaltrige über die Jahrzehnte.
Slide 5: Wer sprach von einer Epidemie? Forschende um Jean Twenge fanden 2008 bei US-Studierenden einen Anstieg seit 1982. Nach 2008 sanken die Werte laut ihren Daten wieder. Die Säulengrafik „Anteil der US-Studierenden mit überwiegend narzisstischen Antworten, gerundet“ zeigt für „1982“ (Ausgangswert) 19 %, für „2009“ (nach dem Anstieg) 30 % und für „2013“ (wieder gesunken) 19 %. Eine weltweite Auswertung fand schon vor 2008 keinen nennenswerten Anstieg.
Slide 6: Was verändert das Alter? Jüngere liegen höher als Ältere, denn Narzissmus nimmt im Lauf des Lebens ab. Das galt in allen untersuchten Geburtsjahrgängen. Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber: links Jüngere mit höheren Narzissmuswerten, rechts Ältere mit niedrigeren.
Slide 7: Gilt das auch für Europa? Gut die Hälfte der Stichproben stammt aus Nordamerika. Europäische Studierende lagen niedriger, und auch in Europa sanken die Werte. Anteilskreis der 1.595 Stichproben der weltweiten Auswertung nach Herkunft: Nordamerika 54 %, Europa 27 %, Asien 11 %, Ozeanien und andere Regionen 8 %.
Slide 8: Was bewirken soziale Medien? Forschende vermuten, dass Vergleiche mit geschönten Bildern anderer narzisstische Neigungen eher dämpfen. Belegt ist das bisher nicht. Die Grafik streicht die Vermutung „Mit den sozialen Medien ist eine narzisstischere Generation herangewachsen“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „Seit die allermeisten US-Studierenden soziale Medien nutzen, sind ihre Werte eher gesunken“.
Slide 9: Narzissmus sinkt eher. Mit welchem Wort würdest du deine Generation beschreiben?
Slide 10: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

Nein: Junge Erwachsene sind heute nicht narzisstischer als frühere Jahrgänge im selben Alter, und weltweit sind die Werte seit 1982 eher gesunken.1 3 4 Auch die Forschungsgruppe, die für US-Studierende bis 2008 einen Anstieg fand, sieht danach wieder sinkende Werte.2 4 Jüngere liegen trotzdem höher als Ältere, weil Narzissmus im Lauf des Lebens abnimmt, und das galt in allen untersuchten Geburtsjahrgängen.5

01die antwort

Sind junge Menschen heute narzisstischer?

Die Behauptung, deine Generation sei narzisstischer als frühere, ist nach den vorliegenden Auswertungen falsch. Junge Erwachsene sind heute nicht narzisstischer als frühere Jahrgänge im selben Alter.1 3 4

Die umfassendste Auswertung ist eine vorab registrierte Metaanalyse von Oberleiter, Stickel und Pietschnig mit 546.225 Befragten aus 55 Ländern; sie fand von 1982 bis 2023 eher sinkende Werte.1 Eine Studie mit 60.225 US-Studierenden aus 3 Jahrzehnten fand von den 1990er- bis zu den 2010er-Jahren einen leichten Rückgang.3

Strittig ist nur, ob es zwischenzeitlich einen Anstieg gab. Für junge Erwachsene, die nach 2012 studierten, stimmen alle Auswertungen darin überein, dass sie nicht narzisstischer sind als die der 1980er-Jahre.1 3 4

Die Grafik ordnet 4 Auswertungen auf einer Leiste von „gestiegen“ über „gleich“ bis „gesunken“ ein, jeweils für den Stand am Ende gegenüber dem Anfang der Daten. Eine Metaanalyse mit 16.475 US-Studierenden von 1979 bis 2006 steht bei „gestiegen“. Eine Metaanalyse für die USA von 1982 bis 2016 fand einen Anstieg bis 2008 und danach einen Rückgang und steht bei „gleich“. Eine Studie mit 60.225 US-Studierenden aus den 1990er- bis 2010er-Jahren und eine Metaanalyse mit 546.225 Befragten aus 55 Ländern von 1982 bis 2023 stehen bei „gesunken“.

02die messung

Wie misst man Narzissmus?

Narzissmus meint ein überhöhtes Selbstwertgefühl bei wenig Einfühlungsvermögen.4 Die Studien erfassen ihn mit dem Fragebogen Narcissistic Personality Inventory, kurz NPI, der in 40 Aussagenpaaren etwa nach Führungsanspruch, Eitelkeit und Anspruchsdenken fragt.2 3 Gemessen wird ein Persönlichkeitsmerkmal unterhalb der Schwelle einer psychischen Störung.1

Um Generationen zu vergleichen, stellen Forschende Gleichaltrige aus verschiedenen Jahrzehnten nebeneinander.4 Die weltweite Metaanalyse wertete 1.621 Stichproben aus 1.105 Studien aus, etwas mehr als die Hälfte davon mit Studierenden, und rechnete Alter und Geschlecht statistisch heraus.1

Die Grafik zeigt einen maßstabsgetreuen Balken für 1.621 Stichproben: 868 Stichproben mit Studierenden in Blau (53,55 %) und 753 Stichproben aus der Bevölkerung in Lavendel (46,45 %). Daneben stehen die Schritte der weltweiten Auswertung: 1.621 Stichproben aus 1.105 Studien in 55 Ländern, etwas mehr als die Hälfte davon mit Studierenden, Alter und Geschlecht herausgerechnet.

03die these

Woher kommt die These einer Narzissmus-Epidemie?

2008 fand eine Metaanalyse von Forschenden um Jean Twenge in 85 Stichproben mit 16.475 US-Studierenden, dass die NPI-Werte seit 1982 um 0,33 Standardabweichungen gestiegen waren.2 Daraus entstand die These einer Narzissmus-Epidemie.

Dieselbe Forschungsgruppe berichtete 2021, dass die Werte nach 2008 wieder sanken, bis auf den Stand der 1980er- und 1990er-Jahre.4 Nach ihren Angaben beantworteten 1982 rund 19 % der US-Studierenden die Mehrheit der Fragen in narzisstischer Richtung, 2009 waren es 30 % und 2013 wieder rund 19 %.4

Die weltweite Metaanalyse von 2025 fand auch vor 2008 keinen nennenswerten Anstieg.1

Anteil der US-Studierenden mit überwiegend narzisstischen Antworten, gerundet4

1982Ausgangswert19 %
2009nach dem Anstieg30 %
2013wieder gesunken19 %
Eine weltweite Auswertung fand schon vor 2008 keinen nennenswerten Anstieg.1

04das alter

Warum wirken Jüngere narzisstischer?

Weil Narzissmus im Lauf des Lebens abnimmt. Eine Metaanalyse von Langzeitdaten aus 51 Stichproben mit 37.247 Menschen fand, dass die Werte zwischen 8 und 77 Jahren typischerweise sinken.5 Das galt für alle Geschlechter und in allen untersuchten Geburtsjahrgängen.5

Auch in der weltweiten Metaanalyse lagen jüngere Stichproben höher als ältere.1 Wer Jüngere mit Älteren vergleicht, misst also vor allem einen Alterseffekt und keinen Unterschied zwischen Generationen.

Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber: links Jüngere mit höheren Narzissmuswerten, rechts Ältere mit niedrigeren.

05die einordnung

Gilt das auch für Europa und soziale Medien?

Gut die Hälfte der Stichproben der weltweiten Auswertung stammt aus Nordamerika, rund ein Viertel aus Europa.1 Europäische Studierende lagen durchweg niedriger als nordamerikanische, und auch in Europa sanken die Werte.1

Seit die allermeisten US-Studierenden soziale Medien nutzen, sind ihre Werte eher gesunken.1 4 Forschende vermuten, dass Vergleiche mit geschönten Bildern anderer narzisstische Neigungen eher dämpfen; belegt ist das bisher nicht.1 4

Die Zeitvergleiche beruhen auf Selbstauskünften, meist von Studierenden, und einige Fragen des NPI messen über die Jahrzehnte nicht genau dasselbe.1 3

Anteilskreis der 1.595 Stichproben der weltweiten Auswertung nach Herkunft: Nordamerika 54 %, Europa 27 %, Asien 11 %, Ozeanien und andere Regionen 8 %.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Ist die junge Generation narzisstischer?

Nein, junge Erwachsene sind heute nicht narzisstischer als frühere Jahrgänge im selben Alter; weltweit sind die Werte seit 1982 eher gesunken.1 3 4

Gab es eine Narzissmus-Epidemie?

Eine Forschungsgruppe fand bei US-Studierenden bis 2008 einen Anstieg, danach sanken die Werte wieder.2 4 Eine weltweite Metaanalyse fand auch vor 2008 keinen nennenswerten Anstieg.1

Nimmt Narzissmus mit dem Alter ab?

Ja, nach einer Metaanalyse von Langzeitdaten sinkt Narzissmus zwischen 8 und 77 Jahren typischerweise, in allen untersuchten Geburtsjahrgängen.5

Machen soziale Medien narzisstisch?

Das ist nicht belegt: Seit die allermeisten US-Studierenden soziale Medien nutzen, sind ihre Narzissmuswerte eher gesunken.1 4

07belege

Belege

  1. [1]Oberleiter, S., Stickel, P., Pietschnig, J. (2025). A Farewell to the Narcissism Epidemic? A Cross-Temporal Meta-Analysis of Global NPI Scores (1982–2023). Journal of Personality 93 (4), 884–894. doi.org/10.1111/jopy.12982
  2. [2]Twenge, J. M. u. a. (2008). Egos Inflating Over Time: A Cross-Temporal Meta-Analysis of the Narcissistic Personality Inventory. Journal of Personality 76 (4), 875–902. doi.org/10.1111/j.1467-6494.2008.00507.x
  3. [3]Wetzel, E. u. a. (2017). The Narcissism Epidemic Is Dead; Long Live the Narcissism Epidemic. Psychological Science 28 (12), 1833–1847. doi.org/10.1177/0956797617724208
  4. [4]Twenge, J. M. u. a. (2021). Egos deflating with the Great Recession: A cross-temporal meta-analysis and within-campus analysis of the NPI, 1982–2016. Personality and Individual Differences 179, 110947. doi.org/10.1016/j.paid.2021.110947
  5. [5]Orth, U., Krauss, S., Back, M. D. (2024). Development of narcissism across the life span: A meta-analytic review of longitudinal studies. Psychological Bulletin 150 (6), 643–665. doi.org/10.1037/bul0000436

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 20.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

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