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Rubrik: Warum ist das so?Thema: Psychologie

Warum suchst du vor allem nach Belegen für deine eigene Meinung?

Informationen passend zur eigenen Überzeugung zu verarbeiten, gilt als Grundprinzip menschlichen Denkens. Über 91 Studien hinweg war die Chance, Stützendes zu wählen, fast doppelt so hoch wie für Widersprechendes.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit5 Belege

Der Beitrag als Karussell

swipedichschlau
Slide 1: Warum suchst du vor allem nach Belegen für deine eigene Meinung?
Slide 2: Bestätigung ist der Normalfall. Informationen passend zu deiner Überzeugung zu verarbeiten, gilt als Grundprinzip menschlichen Denkens. Die Zeichnung zeigt auf einer blauen Bühne eine Person mit mintfarbenem Hemd; über ihr steht eine Gedankenblase mit einem mintfarbenen Blatt und Haken, das für ihre Meinung steht. Mit der rechten Hand legt sie ein mintfarbenes Blatt mit Haken in einen gelben Korb, in dem schon 3 gleiche Blätter stecken. Mit der linken lässt sie ein rosa Blatt mit Kreuz fallen, ein 2. rosa Blatt liegt links am Boden. Rechts beobachtet Kopfi die Auswahl mit einer Lupe.
Slide 3: Was meint der Begriff? Beim Suchen wählst du eher Passendes aus. Beim Deuten liest du Neues eher als Bestätigung. Gegenbelegen zum Trotz bleibst du oft bei deiner Meinung. Der Bestätigungsfehler bezeichnet, Belege zugunsten bestehender Annahmen zu suchen und zu deuten.
Slide 4: Wie stark ist die Vorliebe? In 91 Studien mit knapp 8.000 Personen war die Chance, Stützendes zu wählen, fast doppelt so hoch wie für Widersprechendes. Die Grafik zeigt 2 Türme aus Blöcken; 1 Block steht für die Chance, eine widersprechende Information zu wählen. Laut einer Metaanalyse über 91 Studien mit knapp 8.000 Personen war die Chance, eine stützende Information zu wählen, 1,92-mal so hoch (Chancenverhältnis, Odds Ratio), also fast doppelt so hoch.
Slide 5: Woher kommt die Vorliebe? Kognitiv gesehen ist Passendes vermutlich leichter zu verarbeiten. Als Abwehrmotiv gilt der Wunsch, deine Meinung gegen Widerspruch zu verteidigen. Bei Wertfragen wie der Kindererziehung war die Vorliebe über doppelt so stark. Als Erklärungen gelten Entlastung und Abwehr.
Slide 6: Tust du das bewusst? In einem Versuch mit 713 Personen hing der Suchbegriff mit der eigenen Annahme zusammen; nur 8 % nannten Bestätigung als Ziel. Die Grafik zeigt einen Anteilskreis für 713 Befragte, die einen Suchbegriff zur gesundheitlichen Wirkung eines Lebensmittels oder Getränks wählten: 8 % gaben an, ihren Suchbegriff gewählt zu haben, um ihre Annahme zu bestätigen; 92 % machten andere Angaben.
Slide 7: Was bewirkt dein Suchbegriff? Die Grafik zeigt einen Versuch mit 346 Studierenden, die per Los entweder nach Vorteilen oder nach Risiken von Koffein suchten und danach zwischen einem Energydrink mit und ohne Koffein wählten. Nach der Suche nach Vorteilen wählten 52 % den Energydrink mit Koffein, nach der Suche nach Risiken 36 %. Die Balken sind maßstabsgetreu; die volle Breite entspricht 100 %. Einseitige Suchbegriffe liefern einseitige Treffer.
Slide 8: Wie lenkt dein Ziel die Suche? Wer andere überzeugen sollte, suchte einseitiger; nützten Einwände einem Ziel, wählten Menschen sie bevorzugt. Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber. Links steht „Überzeugen“ mit einem Megafon: Wer andere später überzeugen sollte, suchte einseitiger nach Informationen. Rechts steht „Nutzen“ mit einer Zielscheibe: Waren widersprechende Informationen für ein aktuelles Ziel nützlich, wählten Menschen sie bevorzugt.
Slide 9: Du suchst, was du schon glaubst. Welchen Suchbegriff würdest du eingeben, um zu prüfen, ob Kaffee gesund ist?
Slide 10: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

Laut einer Metaanalyse über 91 Studien war die Chance, eine Information zu wählen, die die eigene Meinung stützt, fast doppelt so hoch wie für eine widersprechende.2 Informationen passend zur eigenen Überzeugung zu verarbeiten, gilt als Grundprinzip menschlichen Denkens, auch ohne Interesse am Ergebnis.3 Meist geschieht das unbewusst: In einem Versuch nannten nur 8 % Bestätigung als Ziel ihres Suchbegriffs.4

01die antwort

Warum suchst du Bestätigung?

Bestätigung ist der Normalfall: Informationen passend zur eigenen Überzeugung zu verarbeiten, gilt als Grundprinzip menschlichen Denkens.3 Es tritt auch auf, wenn Menschen kein Interesse an einem bestimmten Ergebnis haben.3 Laut einer Metaanalyse über 91 Studien wählen Menschen eher Informationen, die ihre Meinung stützen, als widersprechende.2

Fachleute sprechen vom Bestätigungsfehler: Belege werden zugunsten bestehender Annahmen gesucht und gedeutet.1 Beim Suchen wählst du eher Passendes aus, beim Deuten liest du Neues eher als Bestätigung, und Gegenbelegen zum Trotz bleibst du oft bei deiner Meinung.3

Die Zeichnung zeigt auf einer blauen Bühne eine Person mit mintfarbenem Hemd; über ihr steht eine Gedankenblase mit einem mintfarbenen Blatt und Haken, das für ihre Meinung steht. Mit der rechten Hand legt sie ein mintfarbenes Blatt mit Haken in einen gelben Korb, in dem schon 3 gleiche Blätter stecken. Mit der linken lässt sie ein rosa Blatt mit Kreuz fallen, ein 2. rosa Blatt liegt links am Boden. Rechts beobachtet Kopfi die Auswahl mit einer Lupe.
  1. Beim Suchen

    wählst du eher Passendes aus.3

  2. Beim Deuten

    liest du Neues eher als Bestätigung.3

  3. Gegenbelegen

    zum Trotz bleibst du oft bei deiner Meinung.3

Belege werden zugunsten bestehender Annahmen gesucht und gedeutet.1

02die vorliebe

Wie stark ist die Vorliebe?

Die Metaanalyse fasste 91 Studien mit knapp 8.000 Personen zusammen.2 Die Chance, eine stützende Information zu wählen, war fast doppelt so hoch wie für eine widersprechende; das Chancenverhältnis lag bei 1,92.2

Als Erklärungen gelten Entlastung und Abwehr: Passendes ist vermutlich leichter zu verarbeiten, und der Wunsch, die eigene Meinung gegen Widerspruch zu verteidigen, wog in der Metaanalyse stärker als das Streben nach Genauigkeit.2

Bei Wertfragen wie der Kindererziehung war die Vorliebe mehr als doppelt so stark wie bei Fragen ohne Wertbezug, etwa der Wahl eines Geschenks.2 Schwächer war sie, wenn Menschen sich ihrer Meinung sicher waren.2

Die Grafik zeigt 2 Türme aus Blöcken; 1 Block steht für die Chance, eine widersprechende Information zu wählen. Laut einer Metaanalyse über 91 Studien mit knapp 8.000 Personen war die Chance, eine stützende Information zu wählen, 1,92-mal so hoch (Chancenverhältnis, Odds Ratio), also fast doppelt so hoch.
  1. Kognitiv gesehen

    ist Passendes vermutlich leichter zu verarbeiten.2

  2. Als Abwehrmotiv

    gilt der Wunsch, deine Meinung gegen Widerspruch zu verteidigen.2

  3. Bei Wertfragen

    wie der Kindererziehung war die Vorliebe über doppelt so stark.2

Als Erklärungen gelten Entlastung und Abwehr.2

03die absicht

Tust du das bewusst?

In einem Versuch sollten 713 Personen ein Lebensmittel oder Getränk nennen, dessen Wirkung auf die Gesundheit sie nicht sicher kannten, und einen Suchbegriff dazu wählen.4 Die Richtung des Suchbegriffs hing mit ihrer eigenen Annahme zusammen.4

Nur 8 % gaben an, den Suchbegriff gewählt zu haben, um ihre Annahme zu bestätigen; auch ohne sie blieb der Zusammenhang bestehen.4

Die Grafik zeigt einen Anteilskreis für 713 Befragte, die einen Suchbegriff zur gesundheitlichen Wirkung eines Lebensmittels oder Getränks wählten: 8 % gaben an, ihren Suchbegriff gewählt zu haben, um ihre Annahme zu bestätigen; 92 % machten andere Angaben.

04der suchbegriff

Was bewirkt dein Suchbegriff?

Einseitige Suchbegriffe liefern einseitige Treffer, bei einer Suchmaschine wie bei ChatGPT.4 Das zeigte eine Reihe von 21 Studien mit 9.906 Personen.4

In einer davon suchten 346 Studierende per Los entweder nach Vorteilen oder nach Risiken von Koffein und wählten danach einen Energydrink mit oder ohne Koffein.4 Nach der Suche nach Vorteilen wählten 52 % den Energydrink mit Koffein, nach der Suche nach Risiken nur 36 %.4

Breiter angelegte Trefferlisten halfen mehr als der Hinweis, an den Gegenbegriff zu denken.4

Die Grafik zeigt einen Versuch mit 346 Studierenden, die per Los entweder nach Vorteilen oder nach Risiken von Koffein suchten und danach zwischen einem Energydrink mit und ohne Koffein wählten. Nach der Suche nach Vorteilen wählten 52 % den Energydrink mit Koffein, nach der Suche nach Risiken 36 %. Die Balken sind maßstabsgetreu; die volle Breite entspricht 100 %.

Einseitige Suchbegriffe liefern einseitige Treffer.4

05das ziel

Wie lenkt dein Ziel die Suche?

In einer Studie mit 484 Personen zwischen 5 und 55 Jahren suchten diejenigen einseitiger nach Informationen, die andere später überzeugen sollten.5 Nützten widersprechende Informationen dagegen einem aktuellen Ziel, wählten Menschen sie bevorzugt.2

Die Zahlen sind Durchschnittswerte aus Versuchen; wie stark die Vorliebe ausfällt, hängt vom Thema und vom Ziel ab.2 4

Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber. Links steht „Überzeugen“ mit einem Megafon: Wer andere später überzeugen sollte, suchte einseitiger nach Informationen. Rechts steht „Nutzen“ mit einer Zielscheibe: Waren widersprechende Informationen für ein aktuelles Ziel nützlich, wählten Menschen sie bevorzugt.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Was ist der Bestätigungsfehler?

Der Bestätigungsfehler, englisch Confirmation Bias, bezeichnet, Belege zugunsten bestehender Annahmen zu suchen und zu deuten.1

Wie stark ist der Confirmation Bias?

Über 91 Studien war die Chance, eine stützende Information zu wählen, fast doppelt so hoch wie für eine widersprechende.2

Sucht man absichtlich einseitig?

Meist nicht: In einem Versuch mit 713 Personen nannten nur 8 % Bestätigung als Ziel ihres Suchbegriffs.4

Was hilft gegen einseitige Suchergebnisse?

In einer Studienreihe halfen breiter angelegte Trefferlisten mehr als der Hinweis, an den Gegenbegriff zu denken.4

07belege

Belege

  1. [1]Nickerson, R. S. (1998). Confirmation Bias: A Ubiquitous Phenomenon in Many Guises. Review of General Psychology 2 (2), 175–220. doi.org/10.1037/1089-2680.2.2.175
  2. [2]Hart, W., Albarracín, D., Eagly, A. H., Brechan, I., Lindberg, M. J., Merrill, L. (2009). Feeling validated versus being correct: A meta-analysis of selective exposure to information. Psychological Bulletin 135 (4), 555–588. doi.org/10.1037/a0015701
  3. [3]Oeberst, A., Imhoff, R. (2023). Toward Parsimony in Bias Research: A Proposed Common Framework of Belief-Consistent Information Processing for a Set of Biases. Perspectives on Psychological Science 18 (6), 1464–1487. doi.org/10.1177/17456916221148147
  4. [4]Leung, E., Urminsky, O. (2025). The narrow search effect and how broadening search promotes belief updating. Proceedings of the National Academy of Sciences 122 (13), e2408175122. doi.org/10.1073/pnas.2408175122
  5. [5]Özkan, F. E., Ronfard, S. (2026). The boundaries and ontogeny of myside bias. Journal of Experimental Psychology: General 155 (6), 1523–1535. doi.org/10.1037/xge0001932

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 20.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

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