01die antwort
Warum fallen Lügen kaum auf?
Lügner und Ehrliche unterscheiden sich im Verhalten nur schwach.2 Vor allem daran liegt es, dass Menschen Lügen so schlecht erkennen: Über 24.483 Urteilende hinweg lag die Trefferquote bei 54 %.1 2
Entgegen früheren Annahmen stützen sich Menschen dabei selten auf falsche Hinweise.2 Die Grenze liegt vor allem in den schwachen Hinweisen selbst.2

02die trefferquote
Wie oft liegst du richtig?
Eine Metaanalyse fasste 206 Forschungsberichte mit 24.483 Urteilenden zusammen, die Lügen und Wahrheit ohne Hilfsmittel und ohne Training unterscheiden sollten.1 Sie lagen zu 54 % richtig, kaum über der Zufallsrate von 50 %, die bei 2 Antwortmöglichkeiten schon Raten ergäbe.1
Wahre Aussagen erkannten sie zu 61 % als wahr, Lügen nur zu 47 % als Lügen; mehr als die Hälfte aller Lügen hielten sie also für wahr.1
Eine Erklärung bietet die Theorie der Wahrheitsannahme: Ihr zufolge hältst du Aussagen zunächst für wahr, und erst ein Auslöser macht das Urteil „gelogen“ möglich.4 Sie nimmt an, dass reibungslose Verständigung mehr nützt als sofortiges Entlarven.4
Richtige Urteile in Prozent1
Laut der Theorie
der Wahrheitsannahme hältst du Aussagen zunächst für wahr.4
Erst ein Auslöser
macht ihr zufolge das Urteil „gelogen“ möglich.4
Sie nimmt an,
dass reibungslose Verständigung mehr nützt als sofortiges Entlarven.4
Mehr als die Hälfte aller Lügen hielten Menschen für wahr.1
03die hinweise
Worauf achtest du wirklich?
Viele nennen den Blickkontakt als Zeichen für eine Lüge, ihr Urteil hängt aber kaum davon ab.2 Stärker zählt der Gesamteindruck: Menschen verbinden eine Lüge vor allem damit, ob jemand inkompetent oder zwiespältig wirkt.2
Was Menschen für Hinweise halten und was tatsächlich mit Lügen einhergeht, hängt deutlich zusammen; falsche Hinweise spielen also eine kleinere Rolle als angenommen.2 Hörbare Lügen erkannten Menschen besser als Lügen, die sie nur sahen.1
Menschen stützten sich dabei selten auf falsche Hinweise.2
Den Blickkontakt
nennen viele als Zeichen, ihr Urteil hängt aber kaum davon ab.2
Stärker zählt,
ob jemand inkompetent oder zwiespältig wirkt.2
Hörbare Lügen
erkannten Menschen besser als Lügen, die sie nur sahen.1
Der Gesamteindruck lenkt dein Urteil.2
04die augen
Verraten die Augen eine Lüge?
Nach einer verbreiteten Regel aus dem Neurolinguistischen Programmieren lügt, wer nach rechts oben blickt.3 In 2 Untersuchungen blickten Lügner aber nicht häufiger nach rechts oben als Ehrliche, weder im Labor noch bei Pressekonferenzen mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit.3
In einem Versuch mit 50 Personen urteilten diejenigen, die die angebliche Blickregel gelernt hatten, nicht treffsicherer als die übrigen; beide Gruppen lagen etwa beim Zufall.3 Die meisten Versuche zum Lügen arbeiten allerdings mit Lügen, bei denen wenig auf dem Spiel steht.3

05die details
Was verbessert dein Urteil?
In 9 Studien bewerteten Menschen ehrliche und erfundene Aussagen, als Handschrift, Abschrift, Video oder im Gespräch.5 Urteilten sie nach Gefühl, lagen sie beim Zufall.5 Achteten sie nur auf den Detailreichtum einer Aussage, unterschieden sie Lügen und Wahrheit durchweg besser.5
Die Zahlen beschreiben Gruppen, nicht einzelne Menschen.1 5

06häufige fragen
Häufige Fragen
Wie gut erkennen Menschen Lügen?
Kaum besser als durch Raten: Über 24.483 Urteilende hinweg lag die Trefferquote bei 54 %, die Zufallsrate liegt bei 50 %.1
Warum erkennt man Lügen so schlecht?
Vor allem, weil sich Lügner und Ehrliche im Verhalten nur schwach unterscheiden.2
Lügt, wer nach rechts oben schaut?
Nein, in 2 Untersuchungen blickten Lügner nicht häufiger nach rechts oben als Ehrliche.3
Hilft es, auf Details zu achten?
In 9 Studien unterschieden Menschen Lügen und Wahrheit besser, wenn sie nur auf den Detailreichtum einer Aussage achteten.5
07belege
Belege
- [1]Bond, C. F., DePaulo, B. M. (2006). Accuracy of Deception Judgments. Personality and Social Psychology Review 10 (3), 214–234. doi.org/10.1207/s15327957pspr1003_2
- [2]Hartwig, M., Bond, C. F. (2011). Why do lie-catchers fail? A lens model meta-analysis of human lie judgments. Psychological Bulletin 137 (4), 643–659. doi.org/10.1037/a0023589
- [3]Wiseman, R., Watt, C., ten Brinke, L., Porter, S., Couper, S.-L., Rankin, C. (2012). The Eyes Don’t Have It: Lie Detection and Neuro-Linguistic Programming. PLoS ONE 7 (7), e40259. doi.org/10.1371/journal.pone.0040259
- [4]Levine, T. R., Street, C. N. H. (2024). Lie–truth judgments: adaptive lie detector account and truth-default theory compared and contrasted. Communication Theory 34 (3), 143–153. doi.org/10.1093/ct/qtae008
- [5]Verschuere, B., Lin, C.-C., Huismann, S., Kleinberg, B., Willemse, M., Mei, E. C. J., van Goor, T., Löwy, L. H. S., Appiah, O. K., Meijer, E. (2023). The use-the-best heuristic facilitates deception detection. Nature Human Behaviour 7 (5), 718–728. doi.org/10.1038/s41562-023-01556-2
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