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Rubrik: Fakt statt FakeThema: Psychologie

Haben heute wirklich mehr Menschen ADHS als früher?

Immer mehr Menschen erhalten die Diagnose ADHS. In Studien mit gleicher Methode ist der Anteil junger Betroffener aber seit Jahrzehnten nicht gestiegen; gestiegen sind vor allem die Diagnosen, besonders bei Erwachsenen.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit5 Belege

Der Beitrag als Karussell

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Slide 1: Haben heute wirklich mehr Menschen ADHS als früher?
Slide 2: Nein. In Studien mit gleicher Methode ist der Anteil junger Betroffener seit Jahrzehnten nicht gestiegen. Gestiegen sind die Diagnosen. Die Grafik ordnet 4 Auswertungen auf einer Leiste von „gestiegen“ über „gleich“ bis „gesunken“ ein. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ADHS in 135 Studien aus den Jahren 1985 bis 2012 steht bei „gleich“, ebenso der Anteil in einer Übersicht von 40 Studien seit 2020. Der geschätzte Anteil der unter 20-Jährigen weltweit von 1990 bis 2021 steht bei „gesunken“. Die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland von 2015 bis 2024 steht bei „gestiegen“.
Slide 3: Was ist ADHS? ADHS gilt als die häufigste Störung der neuronalen Entwicklung. Kennzeichnend ist anhaltende Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität mit Impulsivität. Die Diagnose setzt Beeinträchtigungen in mindestens 2 Lebensbereichen voraus. Bei vielen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Slide 4: Was wird gemessen? Die Grafik stellt 3 Sätze untereinander: Prävalenzstudien untersuchen repräsentative Stichproben nach festen Kriterien. Abrechnungsdaten zählen nur Menschen, die eine Diagnose erhalten haben. Mehr Diagnosen bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Betroffene. Wie häufig ADHS ist, messen Studien mit einheitlicher Methode.
Slide 5: Was zeigen 135 Studien? Die Studien zu Kindern und Jugendlichen erschienen von 1985 bis 2012. Unterschiede erklärte vor allem die Methode. Die Grafik streicht die Vermutung „Heute erfüllen mehr Kinder die Kriterien für ADHS“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „Das Erscheinungsjahr hing nicht mit der gemessenen Häufigkeit zusammen“.
Slide 6: Was zeigen weltweite Daten? Weltweit stieg die Zahl der Betroffenen unter 20 Jahren von 1990 bis 2021, weil es mehr junge Menschen gibt. Ihr Anteil sank leicht. Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber, beide für Menschen unter 20 Jahren weltweit von 1990 bis 2021: links die Anzahl der Betroffenen mit plus 9,7 Prozent, rechts ihr Anteil an allen unter 20-Jährigen mit minus 6 Prozent.
Slide 7: Wer hat heute eine Diagnose? 2023 hatten laut Abrechnungsdaten 3,6 % der Kinder und Jugendlichen eine ADHS-Diagnose, aber nur 0,6 % der Erwachsenen. Die Grafik zeigt 2 maßstabsgetreue Türme, 1 Block steht für 1 Prozent der Altersgruppe: links 0,6 Prozent der Erwachsenen, rechts 3,6 Prozent der unter 18-Jährigen, die 2023 laut Abrechnungsdaten eine ADHS-Diagnose hatten; bei Kindern und Jugendlichen also rund 6-mal so häufig.
Slide 8: Wie stark steigen die Diagnosen? 2024 erhielten Erwachsene rund 3-mal so oft erstmals die Diagnose wie 2015. Die Autoren vermuten vor allem verspätete Diagnosen. Zeitleiste von 2015 bis 2024 mit den Erstdiagnosen von ADHS und ADS je 10.000 gesetzlich versicherte Erwachsene: 2015 8,6, 2018 10,1, 2020 10,2, 2022 16,4 und 2024 25,7. Die Werte zeigen Erstdiagnosen von ADHS und ADS je 10.000 gesetzlich versicherte Erwachsene.
Slide 9: ADHS nimmt nicht zu. Wo hast du zuerst von ADHS erfahren: in der Schule, im Beruf oder online?
Slide 10: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

In Studien mit gleicher Methode ist der Anteil junger Betroffener seit Jahrzehnten nicht gestiegen; bei unter 20-Jährigen weltweit sank er leicht.1 2 3 Gestiegen sind die Diagnosen: Erwachsene in Deutschland erhielten 2024 rund 3-mal so oft erstmals die Diagnose wie 2015.4 Abrechnungsdaten zählen nur Menschen mit einer Diagnose; mehr Diagnosen bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Betroffene.2 4 5

01die antwort

Gibt es heute mehr Fälle?

Bei jungen Menschen nicht: In Studien mit gleicher Methode ist der Anteil junger Betroffener seit Jahrzehnten nicht gestiegen.1 2 3 Gestiegen sind die Diagnosen.4 5 Für Erwachsene gibt es keinen solchen Zeitvergleich, nur Diagnosedaten.4 5

ADHS gilt als die häufigste Störung der neuronalen Entwicklung.2 Kennzeichnend ist anhaltende Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität mit Impulsivität.2 Die Diagnose setzt Beeinträchtigungen in mindestens 2 Lebensbereichen voraus, und bei vielen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.4 5

Die Grafik ordnet 4 Auswertungen auf einer Leiste von „gestiegen“ über „gleich“ bis „gesunken“ ein. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit ADHS in 135 Studien aus den Jahren 1985 bis 2012 steht bei „gleich“, ebenso der Anteil in einer Übersicht von 40 Studien seit 2020. Der geschätzte Anteil der unter 20-Jährigen weltweit von 1990 bis 2021 steht bei „gesunken“. Die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland von 2015 bis 2024 steht bei „gestiegen“.
  1. ADHS gilt als die

    häufigste Störung der neuronalen Entwicklung.2

  2. Kennzeichnend ist

    anhaltende Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität mit Impulsivität.2

  3. Die Diagnose setzt

    Beeinträchtigungen in mindestens 2 Lebensbereichen voraus.4

  4. Bei vielen bleiben

    die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.5

02die messung

Was wird gemessen?

Wie häufig ADHS ist, messen Studien mit einheitlicher Methode: Sie untersuchen repräsentative Stichproben nach festen Kriterien.1 2

Abrechnungsdaten der Krankenkassen zählen dagegen nur Menschen, die eine Diagnose erhalten haben.4 5 Mehr Diagnosen bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Betroffene.2

Die Grafik stellt 3 Sätze untereinander: Prävalenzstudien untersuchen repräsentative Stichproben nach festen Kriterien. Abrechnungsdaten zählen nur Menschen, die eine Diagnose erhalten haben. Mehr Diagnosen bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Betroffene.

Wie häufig ADHS ist, messen Studien mit einheitlicher Methode.1 2

03die studien

Was zeigen 135 Studien?

Eine Übersicht wertete 135 Studien zu Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre aus, die von 1985 bis 2012 erschienen.1 Unterschiede zwischen ihnen erklärte vor allem die Methode; das Erscheinungsjahr hing nicht mit der gemessenen Häufigkeit zusammen.1 Dass sich die Diagnosepraxis verändert hat, schließen die Autoren nicht aus.1

Eine Übersicht über 40 Studien seit 2020 fand ebenfalls keinen gesicherten Anstieg der Häufigkeit; nur 4 dieser Studien hatten ein geringes Risiko für Verzerrungen.3

Die Grafik streicht die Vermutung „Heute erfüllen mehr Kinder die Kriterien für ADHS“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „Das Erscheinungsjahr hing nicht mit der gemessenen Häufigkeit zusammen“.

04weltweit

Was zeigen weltweite Daten?

Weltweit stieg die Zahl der Betroffenen unter 20 Jahren von 1990 bis 2021 um 9,7 %.2 Der Grund ist laut den Autoren, dass es mehr junge Menschen gibt: Ihr Anteil an allen unter 20-Jährigen sank im selben Zeitraum um 6 %.2

Die Daten stammen aus der Studie zur globalen Krankheitslast, einer Auswertung von Modellschätzungen; die Autoren halten sie über die Zeit für vergleichbar.2

Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber, beide für Menschen unter 20 Jahren weltweit von 1990 bis 2021: links die Anzahl der Betroffenen mit plus 9,7 Prozent, rechts ihr Anteil an allen unter 20-Jährigen mit minus 6 Prozent.

05die diagnosen

Wie stark steigen die Diagnosen?

2023 hatten laut Abrechnungsdaten 3,6 % der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren eine ADHS-Diagnose, aber nur 0,6 % der Erwachsenen.5 Die Auswertung wurde von einem Arzneimittelhersteller finanziert.5

Bei gesetzlich versicherten Erwachsenen stiegen die Erstdiagnosen von ADHS und ADS von 8,6 je 10.000 im Jahr 2015 auf 25,7 im Jahr 2024, also auf rund das 3-Fache; bei Frauen von 6,7 auf 24,8.4

Als mögliche Gründe nennen die Autoren mehr Aufmerksamkeit für das Thema, einen neuen Diagnoseschlüssel ab 2019 und die Folgen der Corona-Pandemie.4 Sie vermuten vor allem verspätete Diagnosen, können das mit ihren Daten aber nicht belegen.4

Zeitleiste von 2015 bis 2024 mit den Erstdiagnosen von ADHS und ADS je 10.000 gesetzlich versicherte Erwachsene: 2015 8,6, 2018 10,1, 2020 10,2, 2022 16,4 und 2024 25,7. Die Werte zeigen Erstdiagnosen von ADHS und ADS je 10.000 gesetzlich versicherte Erwachsene.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Haben heute mehr Kinder ADHS als früher?

Nein, in Studien mit gleicher Methode ist der Anteil junger Betroffener seit Jahrzehnten nicht gestiegen.1 2 3

Ist ADHS eine Modediagnose?

Gestiegen sind die Diagnosen, nicht der Anteil junger Betroffener; die Autoren einer Auswertung vermuten bei Erwachsenen vor allem verspätete Diagnosen.1 4

Wie viele Erwachsene haben eine ADHS-Diagnose?

2023 hatten laut Abrechnungsdaten 0,6 % der Erwachsenen eine ADHS-Diagnose, bei Kindern und Jugendlichen waren es 3,6 %.5

Warum gibt es mehr ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen?

Mögliche Gründe sind mehr Aufmerksamkeit, ein neuer Diagnoseschlüssel ab 2019 und die Corona-Pandemie; belegt ist keiner davon.4

07belege

Belege

  1. [1]Polanczyk, G. V., Willcutt, E. G., Salum, G. A., Kieling, C., Rohde, L. A. (2014). ADHD prevalence estimates across three decades: an updated systematic review and meta-regression analysis. International Journal of Epidemiology 43 (2), 434–442. doi.org/10.1093/ije/dyt261
  2. [2]Cortese, S., Kim, M. S., Han, J. H., Oh, S. S., Yon, D. K., Il Shin, J., Solmi, M. (2026). Incidence, prevalence, and global burden of attention-deficit/hyperactivity disorder from 1990 to 2021 across 204 countries in individuals under age 20: data, with critical appraisal, from the 2021 Global Burden of Disease study. Molecular Psychiatry 31 (10), 5931–5940. doi.org/10.1038/s41380-026-03683-4
  3. [3]Martin, A. F., Rubin, G. J., Rogers, M. B., Wessely, S., Greenberg, N., Hall, C. E., Pitt, A., Logan, P. E., Lucas, R., Brooks, S. K. (2025). The changing prevalence of ADHD? A systematic review. Journal of Affective Disorders 388, 119427. doi.org/10.1016/j.jad.2025.119427
  4. [4]Ivanova, M., Holstiege, J., Akmatov, M. K., Müller, D., Kohring, C. (2025). The Incidence of AD(H)D-Spectrum Disorders in Adults. An Analysis of Nationwide Claims Data of the Statutory Health Insurance System in Germany, 2015–2024. Deutsches Ärzteblatt International 122 (25), 697–698. doi.org/10.3238/arztebl.m2025.0167
  5. [5]Betzler, F., Knop, J., Grönig, M., Timpel, P., Višković, V., Schöttle, D. (2026). ADHD in Children, Adolescents, and Adults: Incidence, Prevalence, and Treatment. An Analysis of Routine Health Insurance Data. Deutsches Ärzteblatt International 123 (10), 275–280. doi.org/10.3238/arztebl.m2026.0032

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 20.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

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