01die antwort
Machen Süßstoffe hungriger?
Nein, das ist nicht belegt: Gegenüber Wasser steigerten Süßstoffe in Versuchen weder den Hunger noch die aufgenommene Energie.2 3 4 Ersetzten sie Zucker, nahmen Menschen weniger Energie auf.2 3
Offen ist dagegen, ob Süßstoffe das Körpergewicht auf Dauer senken: Kurze Versuche und ein Versuch über 1 Jahr sprechen dafür, Beobachtungsstudien über viele Jahre eher dagegen.1 5

02die vermutung
Woher stammt die Vermutung?
Manche Studien deuten an, dass Süßstoffe den Appetit anregen.4 Die Überlegung dahinter: Nach Zucker dämpfen Signale aus dem Stoffwechsel den Hunger; Süßstoffe liefern süßen Geschmack, aber keine Energie, und ohne diese Signale könnte der Hunger größer ausfallen.4
In einem Versuch mit 75 jungen Erwachsenen tranken alle nacheinander ein Getränk mit dem Süßstoff Sucralose, ein gleich süßes Zuckergetränk und Wasser.4 Nach Sucralose stieg die Durchblutung des Hypothalamus, einer Hirnregion, die den Hunger mitsteuert, stärker als nach Wasser und nach Zucker.4 Der Hunger war nach Sucralose aber so groß wie nach Wasser, nur größer als nach dem Zuckergetränk.4
Das ist der Befund eines einzelnen Versuchs; einen Schluss auf das Essen im Alltag erlaubt er nicht.4

03die mahlzeit
Wie viel isst du danach?
Eine Übersichtsarbeit fasste 56 Studien zusammen, in denen Menschen vor einer Testmahlzeit Süßstoff oder zum Vergleich etwa Zucker oder Wasser bekamen, meist im Getränk.2 Gegenüber Wasser nahmen sie gleich viel Energie auf, gegenüber Zucker rund 94 kcal weniger.2 Die fehlende Energie aus dem Zucker holten Erwachsene beim Essen nur zu 43 % nach.2 Die Arbeit entstand in einer von der Industrie finanzierten Expertengruppe.2
Eine unabhängig finanzierte Metaanalyse von 2024 wertete 21 Versuche mit Erwachsenen aus, die mindestens 4 Wochen dauerten.3 Gegenüber Wasser stieg die Energieaufnahme nicht gesichert, gegenüber Zucker sank sie um rund 175 kcal am Tag.3

04der langzeitversuch
Und nach 1 Jahr?
Im europäischen Versuch SWEET machten Erwachsene mit Übergewicht zuerst 2 Monate eine Diät und ernährten sich danach 10 Monate gesund.5 Eine Gruppe ersetzte zuckerreiche Produkte durch solche mit Süßstoff, die andere nicht.5
Nach 1 Jahr hatten die 140 Erwachsenen mit Süßstoff durchschnittlich 7,2 kg abgenommen, die 137 ohne Süßstoff 5,6 kg.5 Der Hunger unterschied sich zwischen den Gruppen nicht.5 Finanziert wurde der Versuch von der EU; einzelne Forschende erhielten Honorare oder Projektmittel von Süßstoff- und Getränkeverbänden.5
Gewichtsabnahme nach 1 Jahr in kg5
Nach einer Diät hielten Erwachsene mit Übergewicht ihr Gewicht mit Süßstoff besser.5
05die leitlinie
Was rät die WHO?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle zu nutzen, weil ein Nutzen auf Dauer nicht belegt ist.1 Die Empfehlung ist bedingt, die Evidenz gering; für Menschen mit Diabetes gilt sie nicht.1
Kurze Versuche, meist bis 3 Monate, zeigten mit Süßstoff etwas weniger Körpergewicht; in Beobachtungsstudien über bis zu 10 Jahre hatten Menschen, die mehr Süßstoff aufnahmen, dagegen einen höheren BMI.1 Die WHO hält es für möglich, dass dabei auch umgekehrte Ursachen eine Rolle spielen, etwa weil Menschen mit Übergewicht eher zu Süßstoff greifen.1

06häufige fragen
Häufige Fragen
Macht Süßstoff hungrig?
Gegenüber Wasser steigerten Süßstoffe in Versuchen weder den Hunger noch die aufgenommene Energie.2 3 4
Löst Süßstoff Heißhunger aus?
Belegt ist das nicht; in einem Versuch über 1 Jahr unterschied sich der Hunger mit und ohne Süßstoff nicht.5
Hilft Süßstoff beim Abnehmen?
Das ist offen: Kurze Versuche zeigten etwas weniger Gewicht, Beobachtungsstudien über viele Jahre einen höheren BMI.1
Was rät die WHO zu Süßstoffen?
Die WHO rät bedingt, Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle zu nutzen; für Menschen mit Diabetes gilt die Empfehlung nicht.1
07belege
Belege
- [1]World Health Organization (2023). Use of non-sugar sweeteners: WHO guideline. Genf: WHO. www.who.int/publications/i/item/9789240073616, abgerufen am 19.10.2026
- [2]Rogers, P. J., Hogenkamp, P. S., de Graaf, C., Higgs, S., Lluch, A., Ness, A. R., Penfold, C., Perry, R., Putz, P., Yeomans, M. R., Mela, D. J. (2016). Does low-energy sweetener consumption affect energy intake and body weight? A systematic review, including meta-analyses, of the evidence from human and animal studies. International Journal of Obesity 40 (3), 381–394. doi.org/10.1038/ijo.2015.177
- [3]Rostampour, K., Moghtaderi, F., Najafi, A., Seyedjafari, B., Salehi-Abargouei, A. (2024). The effects of non-nutritive sweeteners on energy and macronutrients intake in adults: a grade-assessed systematic review and meta-analyses of randomized controlled trials. Frontiers in Nutrition 11, 1475962. doi.org/10.3389/fnut.2024.1475962
- [4]Chakravartti, S. P., Jann, K., Veit, R., Liu, H., Yunker, A. G., Angelo, B., Monterosso, J. R., Xiang, A. H., Kullmann, S., Page, K. A. (2025). Non-caloric sweetener effects on brain appetite regulation in individuals across varying body weights. Nature Metabolism 7 (3), 574–585. doi.org/10.1038/s42255-025-01227-8
- [5]Pang, M. D., Kjølbæk, L., Bastings, J. J. A. J., Andersen, S. S. H., u. a., Raben, A. (2025). Effect of sweeteners and sweetness enhancers on weight management and gut microbiota composition in individuals with overweight or obesity: the SWEET study. Nature Metabolism 7 (10), 2083–2098. doi.org/10.1038/s42255-025-01381-z
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