01die antwort
Schläfst du bei Vollmond wirklich schlechter?
Teils: Eine Laborstudie mit 33 Personen fand um Vollmond rund 20 Minuten weniger Schlaf.1 2 Größere Studien fanden dagegen keinen gesicherten Unterschied.2 4
Im Basler Schlaflabor schliefen die Teilnehmenden ohne Hinweise auf die Uhrzeit; erst nachträglich ordneten die Forschenden jede Nacht einer Mondphase zu, und weder die Teilnehmenden noch die Versuchsleitung wussten während der Studie davon.1
Um Vollmond dauerte der Schlaf rund 20 Minuten kürzer, das Einschlafen rund 5 Minuten länger, und die Delta-Wellen des Tiefschlafs, langsame Hirnströme, nahmen um 30 % ab.1 Zudem sank das Schlafhormon Melatonin, und die Personen bewerteten ihren Schlaf schlechter.1
Untersuchte Personen je Studie
02die messung zu hause
Was zeigte sich zu Hause?
Forschende aus Lausanne zeichneten den Schlaf von 2.125 Erwachsenen mit einer vollständigen Schlafmessung zu Hause auf.4 Um Vollmond schliefen sie 398 Minuten, bei zu- oder abnehmendem Mond 402 und um Neumond 403 Minuten.4
Der Unterschied von 5 Minuten war statistisch nicht gesichert.4 Auch bei anderen Schlafwerten, den Hirnströmen und dem Stresshormon Cortisol fanden die Forschenden keine Unterschiede.4

03die widersprüche
Warum widersprechen sich die Studien?
Ein Forschungsteam wertete 3 Datensätze mit zusammen 2.097 Nächten von 1.265 Personen aus und konnte die Befunde des Basler Labors in keinem davon bestätigen.2
Es vermutet eine Publikationsverzerrung: Studien ohne Befund bleiben häufiger unveröffentlicht, und kleine Stichproben liefern leichter Zufallstreffer.2 Fachleute sprechen vom Schubladenproblem.2

04die feldstudie
Was zeigte eine Feldstudie?
Bei 98 Angehörigen der Toba/Qom in Argentinien, die 1 bis 2 Monate Aktivitätsmesser am Handgelenk trugen, begann der Schlaf in den Nächten vor Vollmond später und war kürzer, wenn der Mond schon abends am Himmel stand.3
Je mehr elektrisches Licht es gab, desto kleiner fiel der Unterschied aus: In einer ländlichen Gemeinschaft ohne Strom waren es 25 Minuten, in einer Kleinstadt mit viel elektrischem Licht 11 Minuten.3 Ob das Mondlicht die Ursache ist, ließ sich nicht nachweisen.3
Weniger Schlaf bei Mondlicht am Abend, in Minuten
05die erwartung
Warum glauben so viele daran?
In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage nannten 36 % von 1.815 Befragten den Mond als Störfaktor ihres Schlafs; er lag damit vor der Temperatur draußen mit 31 %, Lärm im Haus mit 26 % und schlechtem Wetter mit 22 %.5
Die Klagen über den Mond häuften sich in der Woche nach Vollmond.5 Der Autor der Umfrage, zugleich Erstautor der Basler Laborstudie, vermutet dahinter zumindest teilweise Erwartungen, die das rückblickende Urteil über den eigenen Schlaf prägen.5

06häufige fragen
Häufige Fragen
Schläft man bei Vollmond schlechter?
Das ist nicht gesichert: Eine Laborstudie mit 33 Personen fand rund 20 Minuten weniger Schlaf, größere Studien mit 1.265 und 2.125 Personen fanden keinen gesicherten Unterschied.1 2 4
Wie viel kürzer schläft man bei Vollmond?
In der Basler Laborstudie rund 20 Minuten.1 In einer Lausanner Studie zu Hause waren es 398 gegenüber 403 Minuten um Neumond, ein statistisch nicht gesicherter Unterschied.4
Was ist das Schubladenproblem?
Studien ohne Befund bleiben häufiger unveröffentlicht, und kleine Stichproben liefern leichter Zufallstreffer.2 Ein Forschungsteam sieht darin eine mögliche Erklärung für die widersprüchlichen Studien zum Vollmond.2
Stört das Mondlicht den Schlaf?
Eine Feldstudie in Argentinien fand späteren und kürzeren Schlaf, wenn der Mond schon abends am Himmel stand; ob das Mondlicht die Ursache ist, ließ sich nicht nachweisen.3
07belege
Belege
- [1]Cajochen, C., Altanay-Ekici, S., Münch, M., Frey, S., Knoblauch, V., Wirz-Justice, A. (2013). Evidence that the Lunar Cycle Influences Human Sleep. Current Biology 23 (15), 1485–1488. doi.org/10.1016/j.cub.2013.06.029
- [2]Cordi, M., Ackermann, S., Bes, F. W., Hartmann, F., Konrad, B. N., Genzel, L., Pawlowski, M., Steiger, A., Schulz, H., Rasch, B., Dresler, M. (2014). Lunar cycle effects on sleep and the file drawer problem. Current Biology 24 (12), R549–R550. doi.org/10.1016/j.cub.2014.05.017
- [3]Casiraghi, L., Spiousas, I., Dunster, G. P., McGlothlen, K., Fernández-Duque, E., Valeggia, C., de la Iglesia, H. O. (2021). Moonstruck sleep: Synchronization of human sleep with the moon cycle under field conditions. Science Advances 7 (5), eabe0465. doi.org/10.1126/sciadv.abe0465
- [4]Haba-Rubio, J., Marques-Vidal, P., Tobback, N., Andries, D., Preisig, M., Kuehner, C., Vollenweider, P., Waeber, G., Luca, G., Tafti, M., Heinzer, R. (2015). Bad sleep? Don’t blame the moon! A population-based study. Sleep Medicine 16 (11), 1321–1326. doi.org/10.1016/j.sleep.2015.08.002
- [5]Cajochen, C. (2026). Who Blames the Moon for Poor Sleep? An Exploratory Online Survey. Clocks & Sleep 8 (2), 36. doi.org/10.3390/clockssleep8020036
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