01die antwort
Macht die Position einen Unterschied?
Nein: Ob du als ältestes, mittleres oder jüngstes Kind aufwächst, hängt kaum mit deiner Persönlichkeit zusammen.1 2 3 Die Unterschiede, die Studien finden, sind klein.1 4
Dass Älteste gewissenhafter und Jüngste geselliger sind, bestätigten Fragebogendaten aus den USA, Großbritannien, Deutschland und China nicht.1 3 Auch Einzelkinder lagen in einer repräsentativen Befragung beim Narzissmus nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5
Belegt ist nur, dass Erstgeborene ihren Intellekt etwas höher einschätzen; der Unterschied ist minimal.1

02die prüfung
Wie prüft man das?
Ein Team um Julia Rohrer wertete Daten von 20.186 Menschen aus 3 nationalen Langzeitstudien aus: 5.240 aus den USA, 4.489 aus Großbritannien und 10.457 aus Deutschland.1 Verglichen wurden Menschen aus verschiedenen Familien, aber auch Geschwister innerhalb derselben Familie.1
Ein Fragebogen maß 5 große Persönlichkeitsmerkmale, ein Leistungstest die Intelligenz.1 Außer beim selbst eingeschätzten Intellekt fanden die Forschenden keine Unterschiede nach dem Geburtsrang, weder bei Extraversion noch bei emotionaler Stabilität, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit oder Vorstellungskraft.1
Bei über 250.000 Jugendlichen in den USA lag der durchschnittliche Zusammenhang zwischen Geburtsfolge und Persönlichkeitsmerkmalen bei 0,02, der mit der Intelligenz bei 0,04.2 Ein vollständiger Zusammenhang läge bei 1.
Mittlerer Zusammenhang mit der Geburtsfolge2
03die intelligenz
Was ist mit der Intelligenz?
Im Intelligenztest lag jeder weitere Geburtsrang rund 1,5 IQ-Punkte niedriger, das sind 10 % einer Standardabweichung.1 Erstgeborene schätzten auch ihren Intellekt etwas höher ein, selbst wenn man den gemessenen IQ berücksichtigt.1
Wie klein dieser Unterschied ist, zeigt ein Vergleich: Wählt man in Familien mit 2 Kindern zufällig ein erstgeborenes und ein zweitgeborenes Kind aus, hat das erstgeborene in 52 % der Fälle den höheren IQ, das zweitgeborene in 48 %.1

04weitere studien
Was zeigen weitere Studien?
In einer repräsentativen Stichprobe mit 14.148 Menschen in China fanden Forschende ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang, auch nicht innerhalb derselben Familie.3
Die neueste große Studie wertete Online-Fragebögen von über 700.000 Menschen und eine zweite Stichprobe mit über 70.000 aus.4 Bei gleicher Kinderzahl unterschieden sich Älteste, Mittlere und Jüngste höchstens um rund 0,10 Standardabweichungen; zwischen Menschen aus Familien mit 1 Kind und mit 6 oder mehr Kindern lag der Unterschied bei 2 Kooperationsmerkmalen bei 0,30 und 0,36.4 Ab 0,2 gilt ein Unterschied nach üblicher Konvention als klein.4
Die Autoren folgern dennoch, dass sich Persönlichkeitswerte nach Geburtsrang und vor allem nach der Kinderzahl unterscheiden.4 Fast alle Daten beruhen auf Selbstauskünften; bei der Musterung in Schweden schätzten Psychologen erstgeborene Männer dagegen als emotional etwas stabiler, ausdauernder und verantwortungsbereiter ein.6

05die einzelkinder
Sind Einzelkinder narzisstischer?
In einer Befragung schrieben 556 Personen einem typischen Einzelkind mehr narzisstische Bewunderung und Rivalität zu.5 In einer großen repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder bei beiden Formen des Narzissmus aber nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5
In der neuesten großen Studie lagen Einzelkinder bei Offenheit etwas höher und bei 2 Kooperationsmerkmalen etwas niedriger, jeweils um rund 0,10 bis 0,15 Standardabweichungen.4

06häufige fragen
Häufige Fragen
Sind Erstgeborene anders als ihre Geschwister?
Kaum: In großen Studien fanden sich keine Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang, nur beim selbst eingeschätzten Intellekt.1 2 Im Intelligenztest lagen Erstgeborene rund 1,5 IQ-Punkte über Zweitgeborenen.1
Gibt es das Sandwichkind?
Bei gleicher Kinderzahl unterschieden sich Älteste, Mittlere und Jüngste in der neuesten großen Studie höchstens um rund 0,10 Standardabweichungen; das liegt unter der üblichen Schwelle für einen kleinen Unterschied.4 Die Unterschiede der mittleren Kinder spiegeln nach Einschätzung der Autoren überwiegend die Größe der Familie.4
Sind Einzelkinder narzisstischer?
Nein, in einer repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder beim Narzissmus nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5
Spielt die Zahl der Geschwister eine Rolle?
In der neuesten großen Studie waren die Unterschiede nach der Kinderzahl größer als nach der Position: zwischen 1 Kind und 6 oder mehr Kindern 0,30 und 0,36 Standardabweichungen bei 2 Kooperationsmerkmalen.4
07belege
Belege
- [1]Rohrer, J. M., Egloff, B., Schmukle, S. C. (2015). Examining the effects of birth order on personality. Proceedings of the National Academy of Sciences 112 (46), 14224–14229. doi.org/10.1073/pnas.1506451112
- [2]Damian, R. I., Roberts, B. W. (2015). The associations of birth order with personality and intelligence in a representative sample of U.S. high school students. Journal of Research in Personality 58, 96–105. doi.org/10.1016/j.jrp.2015.05.005
- [3]Mu, W., Li, Y., Cui, S., He, A., Liu, T. (2024). Birth order and personality: Evidence from a representative sample of Chinese. European Journal of Personality 38 (6), 896–906. doi.org/10.1177/08902070231224063
- [4]Ashton, M. C., Lee, K. (2025). Personality differences between birth order categories and across sibship sizes. Proceedings of the National Academy of Sciences 122 (1), e2416709121. doi.org/10.1073/pnas.2416709121
- [5]Dufner, M., Back, M. D., Oehme, F. F., Schmukle, S. C. (2020). The End of a Stereotype: Only Children Are Not More Narcissistic Than People With Siblings. Social Psychological and Personality Science 11 (3), 416–424. doi.org/10.1177/1948550619870785
- [6]Black, S. E., Grönqvist, E., Öckert, B. (2018). Born to Lead? The Effect of Birth Order on Noncognitive Abilities. The Review of Economics and Statistics 100 (2), 274–286. doi.org/10.1162/REST_a_00690
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