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Rubrik: Fakt statt FakeThema: Psychologie

Prägt deine Geschwisterposition deine Persönlichkeit?

Älteste gelten als gewissenhaft, Jüngste als gesellig, Einzelkinder als narzisstisch. Große Studien mit Hunderttausenden Menschen in mehreren Ländern fanden aber kaum Unterschiede in der Persönlichkeit nach der Geschwisterposition.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit6 Belege

Der Beitrag als Karussell

swipedichschlau
Slide 1: Prägt deine Geschwisterposition deine Persönlichkeit? 3 Geschwister unterschiedlichen Alters stehen nebeneinander auf derselben Bühne und halten sich an den Händen: links ein Kind mit langem Haar und gelbem Pulli, in der Mitte ein kleineres Kind mit Locken und mintfarbenem Pulli, rechts eine ältere Person mit kurzem blondem Haar und rosa Pulli; alle 3 lächeln, daneben steht Kopfi klein mit einer Lupe.
Slide 2: Nein. Ob du als ältestes, mittleres oder jüngstes Kind aufwächst, hängt kaum mit deiner Persönlichkeit zusammen. Die Unterschiede sind klein. Die Grafik ordnet 4 verbreitete Annahmen auf einer Leiste von „spricht dagegen“ über „unklar“ bis „belegt“ ein. Dass Älteste gewissenhafter und Jüngste geselliger sind, spricht nach Fragebogendaten aus den USA, Großbritannien, Deutschland und China dagegen. Dass Einzelkinder narzisstischer sind, spricht nach einer repräsentativen Befragung ebenfalls dagegen. Dass Älteste ihren Intellekt etwas höher einschätzen, ist belegt, der Unterschied ist aber minimal.
Slide 3: Wie prüft man das? Ausgewertet wurden Daten von 20.186 Menschen aus den USA, Großbritannien und Deutschland. Verglichen wurden auch Geschwister innerhalb derselben Familie. Ein Fragebogen maß 5 große Persönlichkeitsmerkmale, ein Leistungstest die Intelligenz.
Slide 4: Wie eng ist der Zusammenhang? Die Säulengrafik „Mittlerer Zusammenhang mit der Geburtsfolge“ zeigt für „Persönlichkeit“ (Mittel der Merkmale) 0,02, für „Intelligenz“ (im Test) 0,04 und für „Vergleichswert“ (vollständig) 1,0. Im Maßstab sind 0,02 und 0,04 nicht unterscheidbar. Ein vollständiger Zusammenhang läge bei 1. Bei über 250.000 Jugendlichen lag er nahe null.
Slide 5: Was ist mit der Intelligenz? Im Intelligenztest lag jeder weitere Geburtsrang rund 1,5 IQ-Punkte niedriger. Erstgeborene schätzten auch ihren Intellekt etwas höher ein. Anteilskreis für Familien mit 2 Kindern: Vergleicht man ein zufällig gewähltes erstgeborenes Kind mit einem zufällig gewählten zweitgeborenen Kind, hat das erstgeborene in 52 % der Fälle den höheren IQ und das zweitgeborene in 48 %.
Slide 6: Gilt das auch in China? In einer repräsentativen Stichprobe mit 14.148 Menschen fanden Forschende dort ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede. Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber: links Stichproben aus dem Westen (USA, Großbritannien und Deutschland), rechts eine Stichprobe aus China. Auf beiden Karten steht, dass die Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang gering waren.
Slide 7: Was zeigt die neueste Studie? Bei gleicher Kinderzahl unterschieden sich Älteste, Mittlere und Jüngste kaum. Größer waren die Unterschiede nach der Kinderzahl. Die Säulengrafik „Größte Unterschiede bei Kooperationsmerkmalen, in Standardabweichungen“ zeigt für „Position“ (bei gleicher Kinderzahl) bis 0,10 und für „Kinderzahl“ (1 gegenüber 6 und mehr) 0,36. Ab 0,2 gilt ein Unterschied nach üblicher Konvention als klein.
Slide 8: Sind Einzelkinder narzisstischer? In der neuesten großen Studie lagen Einzelkinder bei Offenheit etwas höher und bei 2 Kooperationsmerkmalen etwas niedriger. Die Grafik streicht die Vermutung „Einzelkinder sind narzisstischer als Menschen mit Geschwistern“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „In einer repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder beim Narzissmus nicht höher“.
Slide 9: Die Position prägt kaum. Bist du ältestes, mittleres, jüngstes oder einziges Kind?
Slide 10: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

Ob du als ältestes, mittleres oder jüngstes Kind aufwächst, hängt kaum mit deiner Persönlichkeit zusammen; das zeigen große Studien aus den USA, Großbritannien, Deutschland und China.1 2 3 Nur ihren Intellekt schätzten Erstgeborene etwas höher ein, und im Intelligenztest lagen sie rund 1,5 IQ-Punkte über Zweitgeborenen.1 Die neueste große Studie fand bei gleicher Kinderzahl höchstens kleine Unterschiede nach der Position; größer waren die Unterschiede nach der Zahl der Kinder in der Familie.4

01die antwort

Macht die Position einen Unterschied?

Nein: Ob du als ältestes, mittleres oder jüngstes Kind aufwächst, hängt kaum mit deiner Persönlichkeit zusammen.1 2 3 Die Unterschiede, die Studien finden, sind klein.1 4

Dass Älteste gewissenhafter und Jüngste geselliger sind, bestätigten Fragebogendaten aus den USA, Großbritannien, Deutschland und China nicht.1 3 Auch Einzelkinder lagen in einer repräsentativen Befragung beim Narzissmus nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5

Belegt ist nur, dass Erstgeborene ihren Intellekt etwas höher einschätzen; der Unterschied ist minimal.1

Die Grafik ordnet 4 verbreitete Annahmen auf einer Leiste von „spricht dagegen“ über „unklar“ bis „belegt“ ein. Dass Älteste gewissenhafter und Jüngste geselliger sind, spricht nach Fragebogendaten aus den USA, Großbritannien, Deutschland und China dagegen. Dass Einzelkinder narzisstischer sind, spricht nach einer repräsentativen Befragung ebenfalls dagegen. Dass Älteste ihren Intellekt etwas höher einschätzen, ist belegt, der Unterschied ist aber minimal.

02die prüfung

Wie prüft man das?

Ein Team um Julia Rohrer wertete Daten von 20.186 Menschen aus 3 nationalen Langzeitstudien aus: 5.240 aus den USA, 4.489 aus Großbritannien und 10.457 aus Deutschland.1 Verglichen wurden Menschen aus verschiedenen Familien, aber auch Geschwister innerhalb derselben Familie.1

Ein Fragebogen maß 5 große Persönlichkeitsmerkmale, ein Leistungstest die Intelligenz.1 Außer beim selbst eingeschätzten Intellekt fanden die Forschenden keine Unterschiede nach dem Geburtsrang, weder bei Extraversion noch bei emotionaler Stabilität, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit oder Vorstellungskraft.1

Bei über 250.000 Jugendlichen in den USA lag der durchschnittliche Zusammenhang zwischen Geburtsfolge und Persönlichkeitsmerkmalen bei 0,02, der mit der Intelligenz bei 0,04.2 Ein vollständiger Zusammenhang läge bei 1.

Mittlerer Zusammenhang mit der Geburtsfolge2

PersönlichkeitMittel der Merkmale0,02
Intelligenzim Test0,04
Vergleichswertvollständig1,0
Im Maßstab sind 0,02 und 0,04 nicht unterscheidbar. Ein vollständiger Zusammenhang läge bei 1.
  1. Ausgewertet wurden

    Daten von 20.186 Menschen aus 3 Ländern.1

  2. Verglichen wurden

    auch Geschwister innerhalb derselben Familie.1

  3. Ein Fragebogen maß

    5 große Merkmale der Persönlichkeit, ein Leistungstest die Intelligenz.1

03die intelligenz

Was ist mit der Intelligenz?

Im Intelligenztest lag jeder weitere Geburtsrang rund 1,5 IQ-Punkte niedriger, das sind 10 % einer Standardabweichung.1 Erstgeborene schätzten auch ihren Intellekt etwas höher ein, selbst wenn man den gemessenen IQ berücksichtigt.1

Wie klein dieser Unterschied ist, zeigt ein Vergleich: Wählt man in Familien mit 2 Kindern zufällig ein erstgeborenes und ein zweitgeborenes Kind aus, hat das erstgeborene in 52 % der Fälle den höheren IQ, das zweitgeborene in 48 %.1

Anteilskreis für Familien mit 2 Kindern: Vergleicht man ein zufällig gewähltes erstgeborenes Kind mit einem zufällig gewählten zweitgeborenen Kind, hat das erstgeborene in 52 % der Fälle den höheren IQ und das zweitgeborene in 48 %.

04weitere studien

Was zeigen weitere Studien?

In einer repräsentativen Stichprobe mit 14.148 Menschen in China fanden Forschende ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang, auch nicht innerhalb derselben Familie.3

Die neueste große Studie wertete Online-Fragebögen von über 700.000 Menschen und eine zweite Stichprobe mit über 70.000 aus.4 Bei gleicher Kinderzahl unterschieden sich Älteste, Mittlere und Jüngste höchstens um rund 0,10 Standardabweichungen; zwischen Menschen aus Familien mit 1 Kind und mit 6 oder mehr Kindern lag der Unterschied bei 2 Kooperationsmerkmalen bei 0,30 und 0,36.4 Ab 0,2 gilt ein Unterschied nach üblicher Konvention als klein.4

Die Autoren folgern dennoch, dass sich Persönlichkeitswerte nach Geburtsrang und vor allem nach der Kinderzahl unterscheiden.4 Fast alle Daten beruhen auf Selbstauskünften; bei der Musterung in Schweden schätzten Psychologen erstgeborene Männer dagegen als emotional etwas stabiler, ausdauernder und verantwortungsbereiter ein.6

Die Grafik stellt 2 Karten gegenüber: links Stichproben aus dem Westen (USA, Großbritannien und Deutschland), rechts eine Stichprobe aus China. Auf beiden Karten steht, dass die Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang gering waren.

05die einzelkinder

Sind Einzelkinder narzisstischer?

In einer Befragung schrieben 556 Personen einem typischen Einzelkind mehr narzisstische Bewunderung und Rivalität zu.5 In einer großen repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder bei beiden Formen des Narzissmus aber nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5

In der neuesten großen Studie lagen Einzelkinder bei Offenheit etwas höher und bei 2 Kooperationsmerkmalen etwas niedriger, jeweils um rund 0,10 bis 0,15 Standardabweichungen.4

Die Grafik streicht die Vermutung „Einzelkinder sind narzisstischer als Menschen mit Geschwistern“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „In einer repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder beim Narzissmus nicht höher“.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Sind Erstgeborene anders als ihre Geschwister?

Kaum: In großen Studien fanden sich keine Unterschiede in der Persönlichkeit nach dem Geburtsrang, nur beim selbst eingeschätzten Intellekt.1 2 Im Intelligenztest lagen Erstgeborene rund 1,5 IQ-Punkte über Zweitgeborenen.1

Gibt es das Sandwichkind?

Bei gleicher Kinderzahl unterschieden sich Älteste, Mittlere und Jüngste in der neuesten großen Studie höchstens um rund 0,10 Standardabweichungen; das liegt unter der üblichen Schwelle für einen kleinen Unterschied.4 Die Unterschiede der mittleren Kinder spiegeln nach Einschätzung der Autoren überwiegend die Größe der Familie.4

Sind Einzelkinder narzisstischer?

Nein, in einer repräsentativen Befragung von 1.810 Menschen lagen Einzelkinder beim Narzissmus nicht höher als Menschen mit Geschwistern.5

Spielt die Zahl der Geschwister eine Rolle?

In der neuesten großen Studie waren die Unterschiede nach der Kinderzahl größer als nach der Position: zwischen 1 Kind und 6 oder mehr Kindern 0,30 und 0,36 Standardabweichungen bei 2 Kooperationsmerkmalen.4

07belege

Belege

  1. [1]Rohrer, J. M., Egloff, B., Schmukle, S. C. (2015). Examining the effects of birth order on personality. Proceedings of the National Academy of Sciences 112 (46), 14224–14229. doi.org/10.1073/pnas.1506451112
  2. [2]Damian, R. I., Roberts, B. W. (2015). The associations of birth order with personality and intelligence in a representative sample of U.S. high school students. Journal of Research in Personality 58, 96–105. doi.org/10.1016/j.jrp.2015.05.005
  3. [3]Mu, W., Li, Y., Cui, S., He, A., Liu, T. (2024). Birth order and personality: Evidence from a representative sample of Chinese. European Journal of Personality 38 (6), 896–906. doi.org/10.1177/08902070231224063
  4. [4]Ashton, M. C., Lee, K. (2025). Personality differences between birth order categories and across sibship sizes. Proceedings of the National Academy of Sciences 122 (1), e2416709121. doi.org/10.1073/pnas.2416709121
  5. [5]Dufner, M., Back, M. D., Oehme, F. F., Schmukle, S. C. (2020). The End of a Stereotype: Only Children Are Not More Narcissistic Than People With Siblings. Social Psychological and Personality Science 11 (3), 416–424. doi.org/10.1177/1948550619870785
  6. [6]Black, S. E., Grönqvist, E., Öckert, B. (2018). Born to Lead? The Effect of Birth Order on Noncognitive Abilities. The Review of Economics and Statistics 100 (2), 274–286. doi.org/10.1162/REST_a_00690

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