Zum Inhalt springen
Swipe dich schlau1Dein Social-Wissensmagazin

@swipedichschlau

Rubrik: Warum ist das so?Thema: Psychologie

Warum erinnerst du dich nicht an deine ersten Lebensjahre?

An die ersten Lebensjahre erinnern sich Erwachsene kaum. Dabei prägt sich das Gehirn schon ab etwa 1 Jahr einzelne Erlebnisse ein; später lassen sie sich aber kaum noch abrufen, und das Vergessen beginnt schon in der Kindheit.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit6 Belege

Der Beitrag als Karussell

swipedichschlau
Slide 1: Warum erinnerst du dich nicht an deine ersten Lebensjahre? Eine Person mit kurzem schwarzem Haar und gelbem Pulli hält einen blauen Spielball hoch und denkt neugierig zurück; in einer gestrichelten Gedankenblase sitzt sie selbst als Baby mit Ball und Bauklotz, verblasst; ein gelber Bauklotz liegt auf der Plattform, daneben steht Kopfi klein mit fragender Miene.
Slide 2: Später gelingt der Abruf kaum. Ab etwa 1 Jahr prägt sich dein Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen. Die Zeichnung zeigt links auf einer blauen Bühne ein sitzendes Baby in einem mintfarbenen Strampler, daneben ein gelber Bauklotz und ein blauer Ball. In der Gedankenblase über dem Baby stehen Ball und Bauklotz in kräftigen Farben. Rechts steht eine erwachsene Person; in ihrer Gedankenblase sind dieselben Dinge verblasst, und ein gelbes Vorhängeschloss liegt davor. In der Mitte steht Kopfi und schaut neugierig zu.
Slide 3: Wie prüfte ein Versuch das? Wache Babys sahen im Hirnscanner neue Fotos. Gemessen wurde die Aktivität ihres Hippocampus. Später zeigte ihr Blick, ob sie ein Foto wiedererkannten. Ab etwa 1 Jahr sagte die Aktivität im Hippocampus voraus, welche Fotos Babys wiedererkannten.
Slide 4: Wie früh reicht dein Erinnern? Befragte datierten ihre früheste Erinnerung durchschnittlich auf 3,15 Jahre. Die Grafik zeigt einen Anteilskreis für 6.313 Befragte und das Alter, aus dem ihre früheste Erinnerung nach eigener Angabe stammt: 14 % nannten 1 Jahr oder jünger, 25 % nannten 2 Jahre und 61 % nannten 3 Jahre oder älter. Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich.
Slide 5: Vergisst du schon als Kind? Erinnerungen an deine ersten Lebensjahre schwinden bereits im Lauf der Kindheit, nicht erst später. Die Grafik zeigt ein Schema als Zeitleiste von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Darüber stehen gestapelte blaue Punkte für erinnerte Erlebnisse aus den ersten Lebensjahren: 4 am Anfang, dann 3, 2 und am Ende 1. Die Punkte sind keine Messwerte. Die Punkte stehen schematisch für erinnerte frühe Erlebnisse und sind keine Messwerte.
Slide 6: Woran liegt das Vergessen? Neue Nervenzellen im Hippocampus können bei Mäusen ältere Gedächtnisspuren stören. Der Wortschatz beim Erleben begrenzt das spätere Erzählen, aber wohl nicht absolut. Ein Selbstbild reift erst allmählich und stützt persönliche Erinnerungen. Fachleute diskutieren mehrere Ursachen, die zusammenwirken können.
Slide 7: Bleibt etwas gespeichert? Bei Mäusen kehrten Erinnerungen aus dem Jungtieralter zurück, als Forschende die Nervenzellen der Gedächtnisspur gezielt aktivierten. Die Grafik stellt 2 Karten nebeneinander, beide mit einer Versuchsmaus. Links steht „ohne Hilfe“ und darunter „vergessen“, rechts steht „aktiviert“ und darunter „erinnert“. Ob frühe Erinnerungen auch beim Menschen erhalten bleiben, ist bisher offen.
Slide 8: Einprägen ist nicht Erinnern. Wie alt warst du bei deiner frühesten Erinnerung?
Slide 9: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

Ab etwa 1 Jahr prägt sich dein Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen.2 4 Erinnerungen an die ersten Lebensjahre schwinden bereits im Lauf der Kindheit; mit Verdrängung hat das nichts zu tun.1 Bei Mäusen kehrten frühe Erinnerungen zurück, als Forschende ihre Gedächtnisspur gezielt aktivierten; ob das auch beim Menschen gilt, ist offen.4 5

01die antwort

Warum fehlen dir die ersten Jahre?

Ab etwa 1 Jahr prägt sich dein Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen.2 4 Erwachsene erinnern sich deshalb nur selten an Ereignisse aus ihren ersten Lebensjahren.1 2

Warum der Abruf später kaum gelingt, ist noch offen.4 Die Autorinnen und Autoren eines Versuchs mit Babys halten Vorgänge nach dem Einprägen, durch die frühe Erinnerungen unzugänglich werden, für die wahrscheinlichere Erklärung.2 Eine Übersichtsarbeit hält dagegen auch für möglich, dass solche Erinnerungen nie gebildet oder rasch vergessen wurden.1

Mit Verdrängung hat das nichts zu tun: Der Rückgang betrifft traumatische wie alltägliche Erlebnisse.1

Die Zeichnung zeigt links auf einer blauen Bühne ein sitzendes Baby in einem mintfarbenen Strampler, daneben ein gelber Bauklotz und ein blauer Ball. In der Gedankenblase über dem Baby stehen Ball und Bauklotz in kräftigen Farben. Rechts steht eine erwachsene Person; in ihrer Gedankenblase sind dieselben Dinge verblasst, und ein gelbes Vorhängeschloss liegt davor. In der Mitte steht Kopfi und schaut neugierig zu.

02der versuch

Wie prüfte ein Versuch das?

In einem Versuch sahen wache Babys im Alter von 4 bis 24 Monaten im Hirnscanner neue Fotos, jedes für 2 Sekunden.2 4 Gemessen wurde die Aktivität ihres Hippocampus, einer zentralen Hirnregion des Gedächtnisses.2 5 Später zeigte ihr Blick, ob sie ein Foto wiedererkannten.2

Ab etwa 1 Jahr sagte die Aktivität im Hippocampus voraus, welche Fotos die Babys wiedererkannten; bei den Jüngeren von 4 bis 9 Monaten zeigte sich das nicht.2 4 Es ist eine Einzelstudie mit kleiner Stichprobe.4

  1. Wache Babys

    sahen im Hirnscanner neue Fotos.2

  2. Gemessen

    wurde die Aktivität ihres Hippocampus.2

  3. Später zeigte

    ihr Blick, ob sie ein Foto wiedererkannten.2

Ab etwa 1 Jahr sagte der Hirnscan beim Einprägen voraus, welche Fotos ein Baby später erkannte.2

03die früheste erinnerung

Wie früh reicht dein Erinnern?

In einer großen Befragung datierten 6.313 Menschen ihre früheste Erinnerung durchschnittlich auf 3,15 Jahre.3 14 % nannten 1 Jahr oder jünger, 25 % nannten 2 Jahre und 61 % 3 Jahre oder älter.3

Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich.3 Andere Fachleute widersprachen dieser Einschätzung 2019 in einem Kommentar.6

Die Grafik zeigt einen Anteilskreis für 6.313 Befragte und das Alter, aus dem ihre früheste Erinnerung nach eigener Angabe stammt: 14 % nannten 1 Jahr oder jünger, 25 % nannten 2 Jahre und 61 % nannten 3 Jahre oder älter. Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich.

04das vergessen

Woran liegt das Vergessen?

Erinnerungen an deine ersten Lebensjahre schwinden bereits im Lauf der Kindheit, nicht erst später.1 Fachleute diskutieren mehrere Ursachen, die zusammenwirken können.4

Neue Nervenzellen im Hippocampus können bei Mäusen ältere Gedächtnisspuren stören; im frühen Alter entstehen besonders viele davon.5 Der Wortschatz beim Erleben begrenzt, was Kinder später erzählen, aber wohl nicht absolut.4 Und ein Selbstbild reift erst allmählich und stützt persönliche Erinnerungen.1 4

Die Grafik zeigt ein Schema als Zeitleiste von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Darüber stehen gestapelte blaue Punkte für erinnerte Erlebnisse aus den ersten Lebensjahren: 4 am Anfang, dann 3, 2 und am Ende 1. Die Punkte sind keine Messwerte. Die Punkte stehen schematisch für erinnerte frühe Erlebnisse und sind keine Messwerte.
  1. Neue Nervenzellen

    im Hippocampus können bei Mäusen ältere Gedächtnisspuren stören.5

  2. Der Wortschatz

    beim Erleben begrenzt das spätere Erzählen, aber wohl nicht absolut.4

  3. Ein Selbstbild

    reift erst allmählich und stützt persönliche Erinnerungen.1 4

Fachleute diskutieren mehrere Ursachen, die gemeinsam wirken können.4

05der speicher

Bleibt etwas gespeichert?

Bei Mäusen ja: Erinnerungen aus dem Jungtieralter sind im Hippocampus gespeichert, werden aber rasch unzugänglich.5 Sie kehrten zurück, als Forschende die Nervenzellen der Gedächtnisspur gezielt aktivierten.5

Ob frühe Erinnerungen auch beim Menschen erhalten bleiben, ist bisher offen.2 4 Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass sie nicht einfach verschwinden, sondern womöglich unzugänglich werden und das Verhalten trotzdem unbewusst beeinflussen.4

Die Grafik stellt 2 Karten nebeneinander, beide mit einer Versuchsmaus. Links steht „ohne Hilfe“ und darunter „vergessen“, rechts steht „aktiviert“ und darunter „erinnert“. Ob frühe Erinnerungen auch beim Menschen erhalten bleiben, ist bisher offen.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Warum erinnert man sich nicht an die ersten Lebensjahre?

Ab etwa 1 Jahr prägt sich das Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen.2 4 Diskutiert werden mehrere Ursachen, etwa neue Nervenzellen im Hippocampus, der Wortschatz und das Selbstbild.1 4 5

Ab welchem Alter kann man sich erinnern?

In einer großen Befragung datierten 6.313 Menschen ihre früheste Erinnerung durchschnittlich auf 3,15 Jahre.3 Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich, was andere Fachleute bestreiten.3 6

Werden frühe Erinnerungen verdrängt?

Nein, laut einer Übersichtsarbeit hat das Vergessen nichts mit Verdrängung zu tun; es betrifft traumatische wie alltägliche Erlebnisse.1

Können sich Babys etwas merken?

Ja, in einem Versuch sagte ab etwa 1 Jahr die Aktivität im Hippocampus voraus, welche Fotos Babys später wiedererkannten.2

07belege

Belege

  1. [1]Howe, M. L. (2024). Early Childhood Memories Are not Repressed: Either They Were Never Formed or Were Quickly Forgotten. Topics in Cognitive Science 16 (4), 707–717. doi.org/10.1111/tops.12636
  2. [2]Yates, T. S., Fel, J., Choi, D., Trach, J. E., Behm, L., Ellis, C. T., Turk-Browne, N. B. (2025). Hippocampal encoding of memories in human infants. Science 387 (6740), 1316–1320. doi.org/10.1126/science.adt7570
  3. [3]Akhtar, S., Justice, L. V., Morrison, C. M., Conway, M. A. (2018). Fictional First Memories. Psychological Science 29 (10), 1612–1619; korrigiert 2020. doi.org/10.1177/0956797618778831
  4. [4]Davinson, K., Learmonth, A. E., Cuevas, K. (2025). Infant long-term memory: The last quarter century and the next. Infant Behavior and Development 81, 102136. doi.org/10.1016/j.infbeh.2025.102136
  5. [5]Yu, A. L., DeNardo, L. A. (2025). Long-Term Memory Engrams From Development to Adulthood. Hippocampus 35 (5), e70032. doi.org/10.1002/hipo.70032
  6. [6]Bauer, P. J., Baker-Ward, L., Krøjgaard, P., Peterson, C., Wang, Q. (2019). Evidence Against Depiction as Fiction: A Comment on „Fictional First Memories“ (Akhtar, Justice, Morrison, & Conway, 2018). Psychological Science 30 (9), 1397–1399. doi.org/10.1177/0956797619834510

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 20.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

Weitere Beiträge findest du in der Rubrik „Warum ist das so?“, im Thema „Psychologie“ und in der Übersicht aller Beiträge. Wie wir Quellen auswählen und prüfen, steht unter So arbeiten wir.

Eine Kommentarfunktion gibt es auf dieser Website nicht. Fragen, Einwände und eigene Erfahrungen sammeln wir auf unserem Instagram-Kanal.

Diskutiere mit auf Instagram

Mehr zum Thema Psychologie

Alle Beiträge, Kurzfakten und Quizfragen zum Thema stehen auf der Themenseite „Psychologie“. Weitere Beiträge der Rubrik „Warum ist das so?“: Warum reagiert dein Körper so stark auf die Sauna?, Warum hat dein Kleinkind so heftige Wutanfälle?, Warum verschiebt Ausschlafen am Wochenende deine innere Uhr? und Warum empfindest du Gruseln als angenehm?.