01die antwort
Warum fehlen dir die ersten Jahre?
Ab etwa 1 Jahr prägt sich dein Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen.2 4 Erwachsene erinnern sich deshalb nur selten an Ereignisse aus ihren ersten Lebensjahren.1 2
Warum der Abruf später kaum gelingt, ist noch offen.4 Die Autorinnen und Autoren eines Versuchs mit Babys halten Vorgänge nach dem Einprägen, durch die frühe Erinnerungen unzugänglich werden, für die wahrscheinlichere Erklärung.2 Eine Übersichtsarbeit hält dagegen auch für möglich, dass solche Erinnerungen nie gebildet oder rasch vergessen wurden.1
Mit Verdrängung hat das nichts zu tun: Der Rückgang betrifft traumatische wie alltägliche Erlebnisse.1

02der versuch
Wie prüfte ein Versuch das?
In einem Versuch sahen wache Babys im Alter von 4 bis 24 Monaten im Hirnscanner neue Fotos, jedes für 2 Sekunden.2 4 Gemessen wurde die Aktivität ihres Hippocampus, einer zentralen Hirnregion des Gedächtnisses.2 5 Später zeigte ihr Blick, ob sie ein Foto wiedererkannten.2
Ab etwa 1 Jahr sagte die Aktivität im Hippocampus voraus, welche Fotos die Babys wiedererkannten; bei den Jüngeren von 4 bis 9 Monaten zeigte sich das nicht.2 4 Es ist eine Einzelstudie mit kleiner Stichprobe.4
Wache Babys
sahen im Hirnscanner neue Fotos.2
Gemessen
wurde die Aktivität ihres Hippocampus.2
Später zeigte
ihr Blick, ob sie ein Foto wiedererkannten.2
Ab etwa 1 Jahr sagte der Hirnscan beim Einprägen voraus, welche Fotos ein Baby später erkannte.2
03die früheste erinnerung
Wie früh reicht dein Erinnern?
In einer großen Befragung datierten 6.313 Menschen ihre früheste Erinnerung durchschnittlich auf 3,15 Jahre.3 14 % nannten 1 Jahr oder jünger, 25 % nannten 2 Jahre und 61 % 3 Jahre oder älter.3
Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich.3 Andere Fachleute widersprachen dieser Einschätzung 2019 in einem Kommentar.6

04das vergessen
Woran liegt das Vergessen?
Erinnerungen an deine ersten Lebensjahre schwinden bereits im Lauf der Kindheit, nicht erst später.1 Fachleute diskutieren mehrere Ursachen, die zusammenwirken können.4
Neue Nervenzellen im Hippocampus können bei Mäusen ältere Gedächtnisspuren stören; im frühen Alter entstehen besonders viele davon.5 Der Wortschatz beim Erleben begrenzt, was Kinder später erzählen, aber wohl nicht absolut.4 Und ein Selbstbild reift erst allmählich und stützt persönliche Erinnerungen.1 4

Neue Nervenzellen
im Hippocampus können bei Mäusen ältere Gedächtnisspuren stören.5
Der Wortschatz
beim Erleben begrenzt das spätere Erzählen, aber wohl nicht absolut.4
Fachleute diskutieren mehrere Ursachen, die gemeinsam wirken können.4
05der speicher
Bleibt etwas gespeichert?
Bei Mäusen ja: Erinnerungen aus dem Jungtieralter sind im Hippocampus gespeichert, werden aber rasch unzugänglich.5 Sie kehrten zurück, als Forschende die Nervenzellen der Gedächtnisspur gezielt aktivierten.5
Ob frühe Erinnerungen auch beim Menschen erhalten bleiben, ist bisher offen.2 4 Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass sie nicht einfach verschwinden, sondern womöglich unzugänglich werden und das Verhalten trotzdem unbewusst beeinflussen.4

06häufige fragen
Häufige Fragen
Warum erinnert man sich nicht an die ersten Lebensjahre?
Ab etwa 1 Jahr prägt sich das Gehirn einzelne Erlebnisse ein, doch später lassen sie sich kaum noch abrufen.2 4 Diskutiert werden mehrere Ursachen, etwa neue Nervenzellen im Hippocampus, der Wortschatz und das Selbstbild.1 4 5
Ab welchem Alter kann man sich erinnern?
In einer großen Befragung datierten 6.313 Menschen ihre früheste Erinnerung durchschnittlich auf 3,15 Jahre.3 Erinnerungen bis 2 Jahre halten die Autoren für unwahrscheinlich, was andere Fachleute bestreiten.3 6
Werden frühe Erinnerungen verdrängt?
Nein, laut einer Übersichtsarbeit hat das Vergessen nichts mit Verdrängung zu tun; es betrifft traumatische wie alltägliche Erlebnisse.1
Können sich Babys etwas merken?
Ja, in einem Versuch sagte ab etwa 1 Jahr die Aktivität im Hippocampus voraus, welche Fotos Babys später wiedererkannten.2
07belege
Belege
- [1]Howe, M. L. (2024). Early Childhood Memories Are not Repressed: Either They Were Never Formed or Were Quickly Forgotten. Topics in Cognitive Science 16 (4), 707–717. doi.org/10.1111/tops.12636
- [2]Yates, T. S., Fel, J., Choi, D., Trach, J. E., Behm, L., Ellis, C. T., Turk-Browne, N. B. (2025). Hippocampal encoding of memories in human infants. Science 387 (6740), 1316–1320. doi.org/10.1126/science.adt7570
- [3]Akhtar, S., Justice, L. V., Morrison, C. M., Conway, M. A. (2018). Fictional First Memories. Psychological Science 29 (10), 1612–1619; korrigiert 2020. doi.org/10.1177/0956797618778831
- [4]Davinson, K., Learmonth, A. E., Cuevas, K. (2025). Infant long-term memory: The last quarter century and the next. Infant Behavior and Development 81, 102136. doi.org/10.1016/j.infbeh.2025.102136
- [5]Yu, A. L., DeNardo, L. A. (2025). Long-Term Memory Engrams From Development to Adulthood. Hippocampus 35 (5), e70032. doi.org/10.1002/hipo.70032
- [6]Bauer, P. J., Baker-Ward, L., Krøjgaard, P., Peterson, C., Wang, Q. (2019). Evidence Against Depiction as Fiction: A Comment on „Fictional First Memories“ (Akhtar, Justice, Morrison, & Conway, 2018). Psychological Science 30 (9), 1397–1399. doi.org/10.1177/0956797619834510
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