01die antwort
Warum siehst du auf Fotos anders aus als im Spiegel?
Im Spiegel siehst du dich seitenverkehrt, ein Foto zeigt dich dagegen seitenrichtig, also so, wie andere Menschen dich im direkten Blick sehen.1 2 In der Studie von 1977, die diesen Unterschied zuerst untersucht hat, heißt die eine Fassung deshalb Spiegelbild und die andere wahres Bild.2
Auffallen kann der Unterschied nur, weil Gesichter nicht völlig symmetrisch sind: Ein Gesicht und sein Spiegelbild lassen sich nicht zur Deckung bringen.5 Merkmale wie ein Scheitel, ein Leberfleck oder ein höherer Mundwinkel stehen auf einem Foto deshalb auf der anderen Seite als im Spiegel.
Nach einer Studie von 2024 wirken seitenrichtige Bilder des eigenen Gesichts fremder und weniger angenehm als seitenverkehrte.1 Die Forschenden deuten das so, dass eine ungewohnte Ansicht die Asymmetrien des Gesichts sichtbar macht.1

02der effekt
Was ist der Mere-Exposure-Effekt?
Der Mere-Exposure-Effekt, auf Deutsch Effekt der bloßen Darbietung, beschreibt, dass Menschen einen Reiz positiver bewerten, wenn sie ihm wiederholt begegnet sind.2 3 Schon die bloße wiederholte Darbietung genügt dafür als Bedingung.2
Eine Metaanalyse von Montoya und Kollegen fasste 2017 insgesamt 268 Kurvenschätzungen aus 81 Fachartikeln zusammen.3 Das Gefallen stieg mit der Zahl der Darbietungen zunächst an und sank bei sehr vielen Wiederholungen wieder, die Kurve hat also die Form eines umgekehrten U.3 Diese Form zeigte sich bei visuellen Reizen wie Bildern, nicht bei akustischen.3
Auf dein Gesicht übertragen bedeutet das: Forschende nehmen an, dass du dein Spiegelbild häufiger siehst als Fotos von dir.2 Schon die Studie von 1977 ging davon ausdrücklich als Annahme aus; sie ist plausibel, aber kein gemessener Befund.2
Dein Spiegelbild
siehst du vermutlich häufiger als dein Foto.2
Oft Gesehenes
bewerten Menschen positiver.3
Dein Foto
wirkt oft fremder und weniger angenehm auf dich.1
Diese Vorliebe für Vertrautes heißt Mere-Exposure-Effekt.3
03die versuche
Was zeigen die Versuche zum Spiegelbild?
Den ersten Beleg lieferte 1977 eine kleine Einzelstudie von Mita, Dermer und Knight mit 2 Durchgängen.2 Darin zogen Frauen ihr gespiegeltes Porträt dem seitenrichtigen vor, ihre Freunde oder Partner neigten dagegen eher zum seitenrichtigen Bild.2
In einem Versuch von 2010 bevorzugten 27 von 38 Erwachsenen bei ihrem eigenen Gesicht das Spiegelbild, beim Gesicht eines Kollegen aber 29 von 38 das seitenrichtige Bild.4 Die Teilnehmenden arbeiteten mit diesen Kolleginnen und Kollegen seit mindestens 1 Jahr im selben Büro, und beide Fassungen wurden nebeneinander gezeigt.4
Eine Studie von 2024 fand das Muster erneut und wiederholte ihren ersten Versuch 7 Jahre später vollständig.1 Bei der Bewertung enger Freunde verschwand das Muster, denn bei ihnen ist das seitenrichtige Bild das vertrautere.1

04die einordnung
Sind die Befunde einheitlich?
Nicht ganz: 2023 bevorzugten von 198 Zahnmedizin-Studierenden 59 % bei standardisierten Porträtfotos ihres Gesichts das seitenrichtige Bild.5
Der erste Beleg, eine kleine Einzelstudie von 1977, wurde damit später überwiegend bestätigt: Für die Vorliebe für das eigene Spiegelbild sprechen die Versuche von 2010 und 2024, gegen eine allgemeine Regel spricht der Befund von 2023.1 2 4 5
Die Forschung erklärt das fremde Gefühl vor Fotos bisher vor allem mit der Gewöhnung an das Spiegelbild und mit der Asymmetrie des Gesichts.1 3 Andere Einflüsse auf Fotos wie Licht, Abstand zur Kamera oder eine eingefrorene Mimik haben wir für diesen Beitrag nicht geprüft.
05häufige fragen
Häufige Fragen
Warum sehe ich auf Fotos anders aus als im Spiegel?
Der Spiegel zeigt dich seitenverkehrt, ein Foto seitenrichtig, so wie andere dich sehen.1 2 Weil Gesichter nicht völlig symmetrisch sind, unterscheiden sich beide Bilder.1 5
Sehen mich andere so wie auf Fotos?
Was die Seiten angeht, ja: Ein seitenrichtiges Foto zeigt dich so, wie andere dich im direkten Blick sehen, der Spiegel dagegen seitenverkehrt.1 2 Andere Einflüsse auf Fotos wie Licht oder den Abstand zur Kamera haben wir für diesen Beitrag nicht geprüft.
Was ist der Mere-Exposure-Effekt?
Der Mere-Exposure-Effekt beschreibt, dass Menschen positiver bewerten, was sie wiederholt sehen.2 3 Eine Metaanalyse von 2017 bestätigte ihn; bei sehr vielen Wiederholungen sank das Gefallen allerdings wieder.3
Gefällt mir mein Spiegelbild besser als mein Foto?
In mehreren Versuchen bevorzugten Teilnehmende ihr eigenes Spiegelbild, beim Gesicht vertrauter Menschen dagegen das seitenrichtige Bild.1 2 4 Einheitlich sind die Befunde aber nicht: 2023 bevorzugten 59 % von 198 Studierenden bei Porträtfotos das seitenrichtige Bild.5
06belege
Belege
- [1]Suchow, McDowell, Huang, Haberman (2024). A reflection on faces seen under mirror reversal. Perception 53 (11–12), 763–774. doi.org/10.1177/03010066241279606
- [2]Mita, T. H., Dermer, M., Knight, J. (1977). Reversed facial images and the mere-exposure hypothesis. Journal of Personality and Social Psychology 35 (8), 597–601. doi.org/10.1037/0022-3514.35.8.597
- [3]Montoya, R. M. u. a. (2017). A re-examination of the mere exposure effect … Psychological Bulletin 143 (5), 459–498. doi.org/10.1037/bul0000085
- [4]Amestoy, A., Bouvard, M. P., Cazalets, J.-R. (2010). Left-right facial orientation of familiar faces … Frontiers in Psychology 1, 39. doi.org/10.3389/fpsyg.2010.00039
- [5]Al-Bitar, Z. B. u. a. (2023). Perception of frontal facial images compared with their mirror images … Maxillofacial Plastic and Reconstructive Surgery 45, 29. doi.org/10.1186/s40902-023-00396-4
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