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Rubrik: Zahl des TagesThema: Gesundheit

Wie stark beeinträchtigt dich eine durchwachte Nacht?

In einem Versuch schnitten 22 junge Erwachsene nach 20 bis 25 Stunden ohne Schlaf je nach Test so ab wie mit rund 1 Promille Blutalkohol. Wie die Forschenden Müdigkeit und Alkohol verglichen haben und wo die Grenzen dieses Vergleichs liegen, zeigen 3 Versuche und eine Metaanalyse.

Stand 20.10.20263 Min. Lesezeit5 Belege

Der Beitrag als Karussell

swipedichschlau
Slide 1: Wie stark beeinträchtigt dich eine durchwachte Nacht? Eine Person mit Glatze, dunklem Bart und mintfarbenem Pulli folgt konzentriert mit dem Finger einer gestrichelten Spur auf einem Bildschirm, darüber eine gelbe Mondsichel; daneben steht Kopfi klein und ausgeschaltet.
Slide 2: Rund 1 Promille. Nach 20 bis 25 Stunden ohne Schlaf schnitten 22 Versuchspersonen je nach Test so ab wie mit 0,10 % Blutalkohol. Die Grafik setzt „20 bis 25 h“ mit „ohne Schlaf“ und „0,10 %“ mit „Blutalkohol“ gleich.
Slide 3: Wie wurde das verglichen? Dieselben Personen blieben einmal 28 Stunden ohne Schlaf. Ein anderes Mal tranken sie halbstündlich bis 0,10 % Blutalkohol. Jede Stunde lösten sie 4 Aufgaben einer Testbatterie am Computer. Gesucht war die Wachdauer, nach der die Leistung so stark sank wie unter Alkohol.
Slide 4: Was zeigte sich nach 17 Stunden? Bei 39 Beschäftigten aus Transport und Armee waren manche Testleistungen nach 17 bis 19 Stunden so schlecht wie bei 0,05 % oder schlechter. Die Grafik stellt 2 Karten nebeneinander: links 17 bis 19 Stunden wach, rechts 0,05 % Blutalkohol. Nach so langer Wachzeit waren manche Testleistungen so schlecht wie bei dieser Alkoholmenge oder schlechter. Umgerechnet entsprechen 0,05 % rund 0,5 Promille.
Slide 5: Was leidet am stärksten? Die Säulengrafik „Effektstärke nach 24 bis 48 Stunden ohne Schlaf“ zeigt für „Wachsamkeit“ (Aussetzer) 0,76, für „Arbeitsgedächtnis“ (Genauigkeit) 0,56, für „Aufmerksamkeit“ (komplexe Aufgaben) 0,48 und für „Logik“ (Genauigkeit) 0,13. Je höher die Säule, desto stärker sank die Leistung gegenüber dem ausgeschlafenen Zustand. Am stärksten sank die Wachsamkeit, kaum dagegen das logische Schließen.
Slide 6: Wirkt Müdigkeit wie Alkohol? Die Versuche prüften kleine Gruppen mit 22 und 39 Personen in Leistungstests, Unfälle wurden nicht gemessen. Die Grafik streicht die Vermutung „Eine durchwachte Nacht wirkt in jeder Hinsicht wie 1 Promille“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „Alkohol senkte die Leistung in allen Aufgaben bis auf eine, 28 Stunden Wachsein in 4 von 6 Messgrößen“.
Slide 7: Testwerte glichen rund 1 Promille. Wie viele Stunden warst du schon am Stück wach?
Slide 8: Die Slide listet die 5 Belege mit vollständiger Angabe auf. KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle.

Kurz gesagt

Nach 20 bis 25 Stunden ohne Schlaf schnitten 22 Versuchspersonen je nach Test so ab wie mit 0,10 % Blutalkohol, umgerechnet rund 1 Promille.3 5 Bei 39 Beschäftigten aus Transportgewerbe und Armee waren manche Testleistungen schon nach 17 bis 19 Stunden so schlecht wie bei 0,05 % oder schlechter.2 Die Versuche waren klein und maßen Testleistungen, keine Unfälle, und Alkohol und Schlafmangel beeinträchtigten nicht genau dieselben Leistungen.2 3

Die Inhalte erklären Forschungsergebnisse und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.

01die zahl

Wie viel Promille entspricht eine durchwachte Nacht?

In einem Versuch von Lamond und Dawson aus dem Jahr 1999 schnitten 22 gesunde Erwachsene von 19 bis 26 Jahren nach 20 bis 25 Stunden ohne Schlaf je nach Test so ab wie mit 0,10 % Blutalkohol.3 Eine durchwachte Nacht entspricht bei üblicher Aufstehzeit etwa 24 Stunden Wachsein und liegt damit in dieser Spanne.

0,10 % entsprechen rund 1 Promille; in Deutschland wird Blutalkohol als Gramm Alkohol je Kilogramm Blut angegeben.5 Bezieht sich der Prozentwert auf 100 Milliliter Blut, ergeben sich mit der Blutdichte von 1,06 etwa 0,94 Promille.5

Die Gleichsetzung ist eine Näherung: Welche Wachdauer welcher Alkoholmenge entsprach, hing von der Aufgabe ab.3

20 bis 25 hheißtohne Schlaf3
0,10 %heißtBlutalkohol3

02die methode

Wie wurde das verglichen?

Dawson und Reid setzten 1997 in der Zeitschrift Nature den Leistungsabfall durch Müdigkeit mit dem durch Alkohol gleich.1 Schon mäßige Müdigkeit beeinträchtigte die Leistung danach stärker als Blutalkohol in Höhe des gesetzlichen Grenzwerts.1

Im Versuch von 1999 durchliefen dieselben Personen 3 Bedingungen in wechselnder Reihenfolge: Einmal blieben sie 28 Stunden wach, ein anderes Mal tranken sie halbstündlich Alkohol bis 0,10 % Blutalkohol, ein drittes Mal ein alkoholfreies Getränk.3 In jeder Sitzung lösten sie stündlich 4 Aufgaben einer standardisierten Testbatterie am Computer.3

  1. Dieselben Personen

    blieben einmal 28 Stunden ohne Schlaf.3

  2. Ein anderes Mal

    tranken sie halbstündlich bis 0,10 % Blutalkohol.3

  3. Jede Stunde

    lösten sie 4 Aufgaben einer Testbatterie am Computer.3

Gesucht war die Wachdauer, nach der die Leistung so stark sank wie unter Alkohol.3

03die frühe schwelle

Was zeigte sich schon nach 17 Stunden?

Williamson und Feyer untersuchten 39 Beschäftigte, 30 aus dem Transportgewerbe und 9 aus der Armee, über 28 Stunden ohne Schlaf und nach abgemessenen Alkoholmengen bis etwa 0,1 % Blutalkohol.2

Nach 17 bis 19 Stunden ohne Schlaf, also um 22:30 Uhr und 1 Uhr, waren manche Testleistungen so schlecht wie bei 0,05 % oder schlechter.2 In manchen Tests waren die Reaktionen bis zu 50 % langsamer, und die Genauigkeit war signifikant schlechter als bei 0,05 %.2 Umgerechnet entsprechen 0,05 % rund 0,5 Promille.5

Nach längerer Zeit ohne Schlaf erreichte die Leistung Werte wie bei der höchsten verabreichten Alkoholmenge von 0,1 %.2

Die Grafik stellt 2 Karten nebeneinander: links 17 bis 19 Stunden wach, rechts 0,05 % Blutalkohol. Nach so langer Wachzeit waren manche Testleistungen so schlecht wie bei dieser Alkoholmenge oder schlechter. Umgerechnet entsprechen 0,05 % rund 0,5 Promille.

04die metaanalyse

Welche Leistungen leiden am stärksten?

Eine Metaanalyse von Lim und Dinges wertete 70 Studien mit insgesamt 1.533 gesunden Erwachsenen aus, die höchstens 48 Stunden am Stück wach blieben.4 Verglichen wurde jeweils die Leistung im ausgeschlafenen Zustand mit der am Ende des Schlafentzugs.4

Nach 24 bis 48 Stunden ohne Schlaf litt die Wachsamkeit bei einfachen Reaktionsaufgaben am stärksten; für Aussetzer ergab sich eine Effektstärke von 0,76.4 Die Genauigkeit im Arbeitsgedächtnis sank mit einer Effektstärke von 0,56, die Genauigkeit bei komplexen Aufmerksamkeitsaufgaben mit 0,48.4

Das logische Schließen litt dagegen kaum: Die Effektstärke für die Genauigkeit lag bei 0,13 und war statistisch nicht signifikant.4

Effektstärke nach 24 bis 48 Stunden ohne Schlaf4

WachsamkeitAussetzer0,76
ArbeitsgedächtnisGenauigkeit0,56
Aufmerksamkeitkomplexe Aufgaben0,48
LogikGenauigkeit0,13
Je höher die Säule, desto stärker sank die Leistung gegenüber dem ausgeschlafenen Zustand.4

Am stärksten sank die Wachsamkeit, kaum dagegen das logische Schließen.4

05die einordnung

Wirkt Müdigkeit wie Alkohol?

Nicht in jeder Hinsicht. Im Versuch von 1999 senkte steigender Blutalkohol die Leistung in allen Aufgaben bis auf eine, 28 Stunden Wachsein dagegen in 4 von 6 Messgrößen.3 Alkohol und Schlafmangel beeinträchtigten also nicht genau dieselben Leistungen.3

Die Vergleichsversuche prüften kleine Gruppen mit 22 und 39 Personen in Leistungstests; Unfälle wurden nicht gemessen.2 3 Die Zahl des Tages beschreibt deshalb Testwerte, keine Fahrtüchtigkeit im Alltag.

Die Grafik streicht die Vermutung „Eine durchwachte Nacht wirkt in jeder Hinsicht wie 1 Promille“ durch. Darunter steht als Befund der Satz „Alkohol senkte die Leistung in allen Aufgaben bis auf eine, 28 Stunden Wachsein in 4 von 6 Messgrößen“.

06häufige fragen

Häufige Fragen

Wie viel Promille entspricht eine durchwachte Nacht?

In einem Versuch schnitten Versuchspersonen nach 20 bis 25 Stunden ohne Schlaf je nach Test so ab wie mit 0,10 % Blutalkohol, umgerechnet rund 1 Promille.3 5

Ab wann wirkt Schlafmangel wie Alkohol?

In einer Studie waren manche Testleistungen schon nach 17 bis 19 Stunden ohne Schlaf so schlecht wie bei 0,05 % Blutalkohol oder schlechter.2

Was leidet bei Schlafentzug am stärksten?

Nach einer Metaanalyse vor allem die Wachsamkeit bei einfachen Reaktionsaufgaben; das logische Schließen litt kaum.4

Wie rechnet man Prozent Blutalkohol in Promille um?

0,10 % entsprechen rechnerisch 1 Promille. Bezieht sich der Prozentwert auf 100 Milliliter Blut, ergeben sich mit der Blutdichte von 1,06 etwa 0,94 Promille, angegeben als Gramm Alkohol je Kilogramm Blut.5

07belege

Belege

  1. [1]Dawson, D., Reid, K. (1997). Fatigue, alcohol and performance impairment. Nature 388 (6639), 235. doi.org/10.1038/40775
  2. [2]Williamson, A. M., Feyer, A. M. (2000). Moderate sleep deprivation produces impairments in cognitive and motor performance equivalent to legally prescribed levels of alcohol intoxication. Occupational and Environmental Medicine 57 (10), 649–655. doi.org/10.1136/oem.57.10.649
  3. [3]Lamond, N., Dawson, D. (1999). Quantifying the performance impairment associated with fatigue. Journal of Sleep Research 8 (4), 255–262. doi.org/10.1046/j.1365-2869.1999.00167.x
  4. [4]Lim, J., Dinges, D. F. (2010). A meta-analysis of the impact of short-term sleep deprivation on cognitive variables. Psychological Bulletin 136 (3), 375–389. doi.org/10.1037/a0018883
  5. [5]Bajanowski, T., Tönnes, S., Graw, M. für DGRM, GTFCh und DGVM (2020). Aktualisierung der Richtlinien zur Bestimmung der Blutalkoholkonzentration (BAK) für forensische Zwecke. Blutalkohol 57, 23–24. rechtsmedizin.uk-essen.de/wp-content/uploads/2023/01/BAK-Richtlinien_Blutalkohol_2020_57_23-24.pdf, abgerufen am 18.10.2026

KI-gestützt recherchiert, von Menschen geprüft. Jede Aussage mit Quelle. Stand: 20.10.2026. Hast du einen Fehler entdeckt? Wir korrigieren ihn offen; die Einzelheiten stehen unter Korrekturen.

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