01die antwort
Warum fragen Kinder so oft „Warum?“
Mit „Warum?“ fordert dein Kind eine Erklärung ein.1 2 Nach einer Monografie von Chouinard stellen Kinder viele Fragen, um Informationen zu bekommen; bleibt eine informative Antwort aus, fragen sie weiter, und Aufmerksamkeit allein genügt ihnen nicht.1
Untersuchungen von Frazier, Gelman und Wellman bestätigen, dass Kinder im Vorschulalter aktiv nach Ursachen suchen und dafür gezielte Gesprächsstrategien nutzen.2 Mit Warum-Fragen wollen sie danach nicht bloß das Gespräch verlängern, wie Eltern und Forschende lange vermutet hatten.2

02die reaktion
Was folgt auf eine Antwort?
Ausgewertet wurden 3.162 Warum- und Wie-Fragen aus aufgezeichneten Alltagsgesprächen von 6 Kindern im Alter von 2 bis 4 Jahren.2 Entscheidend war, ob die Antwort eines Erwachsenen etwas erklärte.2
Nach einer Erklärung stimmten die Kinder häufiger zu, in 11,1 gegenüber 6,3 % der Fälle, und stellten häufiger eine neue Frage zum selben Thema, in 18,5 gegenüber 4,6 %.2 Ohne Erklärung wiederholten sie dagegen häufiger ihre ursprüngliche Frage, in 24,0 gegenüber 9,4 % der Fälle, also mehr als doppelt so oft.2 Jedes der 6 Kinder zeigte dieses Muster auch einzeln.2
Reaktion in Prozent der jeweiligen Antworten2
Nach Erklärungen
stimmten Kinder in Aufnahmen häufiger zu.2
Häufiger folgte
dann eine neue Frage zum selben Thema.2
Ohne Erklärung
wiederholten sie häufiger ihre Frage.2
Die Reaktion hängt davon ab, ob die Antwort etwas erklärt.2
03die häufigkeit
Wie oft folgte eine Erklärung?
In den Aufnahmen folgte nur auf 36,7 % der Warum- und Wie-Fragen eine Erklärung, also auf gut jede 3.2 Auf die übrigen 63,3 % kam keine Erklärung.2
Zu den Antworten ohne Erklärung zählten auch Sätze wie „Ich weiß es nicht“ und Fragen, auf die niemand antwortete.2 Auch deshalb wiederholen Kinder ihre Fragen so oft.

04der versuch
Was zeigte ein Versuch?
Im Versuch sahen 42 Kinder von 3 bis 5 Jahren Bilder mit etwas Überraschendem, etwa ein Vogelnest mit 2 Küken und einer Schildkröte.2 Auf ihre Nachfragen antwortete die Versuchsleitung abwechselnd mit und ohne Erklärung, und beide Antworten waren etwa gleich lang.2
Alle 20 Kinder, die ihre Frage mindestens einmal wiederholten, taten das häufiger nach einer Antwort ohne Erklärung.2 In einem weiteren Versuch führten schon kurze Erklärungen seltener zu Wiederholungen als längere Antworten ohne Erklärung; es zählte also der Inhalt, nicht allein die Länge.2 3

Im Versuch sahen
die Kinder Überraschendes, etwa eine Schildkröte im Vogelnest.2
Die Antworten
kamen abwechselnd mit und ohne Erklärung, etwa gleich lang.2
Alle 20 Kinder,
die ihre Frage wiederholten, taten das häufiger ohne Erklärung.2
Bei 42 Kindern von 3 bis 5 Jahren zeigte sich dasselbe Muster.2
05die einordnung
Was behalten Kinder davon?
In einem Versuch mit 69 Kindern von 4 und 5 Jahren blieben Erklärungen deutlich besser im Gedächtnis: An Antworten ohne Erklärung erinnerten sich die Kinder in 18,8 % der Fälle, an kurze Erklärungen in 67,8 %.3 Abgefragt wurde nach etwa 5 bis 20 Minuten.3 In 40,3 % der Fälle gaben die Kinder eine Antwort ohne Erklärung sogar so wieder, als hätte sie etwas erklärt.3
Die Aussagekraft ist begrenzt: Die Gesprächsaufnahmen stammen von nur 6 Kindern, 4 davon aus Akademikerfamilien, und Auswertung und Versuche kommen aus einer Arbeitsgruppe.2 3 Die Kitas der Versuche lagen in US-Gemeinden mit überwiegend gut gebildeter Bevölkerung (2009) beziehungsweise mittlerem bis hohem Einkommen (2016).2 3
Eine andere Arbeitsgruppe zeigte 2024 in Versuchen mit 135 Kindern in China und den USA, dass Kinder Erklärungen mit Ursache zirkulären Erklärungen vorziehen, die das Geschehen nur umschreiben.4
Anteil der erinnerten Antworten in Prozent3
06häufige fragen
Häufige Fragen
Warum fragen Kinder ständig warum?
Sie fordern Erklärungen ein: Kinder stellen viele Fragen, um Informationen zu bekommen, und fragen weiter, wenn keine informative Antwort kommt.1 2
Was passiert, wenn ein Kind keine Erklärung bekommt?
In aufgezeichneten Gesprächen wiederholten Kinder ihre Frage dann mehr als doppelt so oft wie nach einer Erklärung, in 24,0 gegenüber 9,4 % der Fälle.2
Wollen Kinder mit Warum-Fragen nur Aufmerksamkeit?
Nein, Aufmerksamkeit allein genügt ihnen nicht; ohne informative Antwort fragen sie weiter.1 Sie wollen auch nicht bloß das Gespräch verlängern.2
Merken sich Kinder die Antworten auf ihre Fragen?
In einem Versuch erinnerten sich Kinder an kurze Erklärungen in 67,8 % der Fälle, an Antworten ohne Erklärung nur in 18,8 %.3
07belege
Belege
- [1]Chouinard, M. M. (2007). Children’s questions: A mechanism for cognitive development. Monographs of the Society for Research in Child Development 72 (1), vii–ix, 1–112. doi.org/10.1111/j.1540-5834.2007.00412.x
- [2]Frazier, B. N., Gelman, S. A., Wellman, H. M. (2009). Preschoolers’ search for explanatory information within adult–child conversation. Child Development 80 (6), 1592–1611. doi.org/10.1111/j.1467-8624.2009.01356.x
- [3]Frazier, B. N., Gelman, S. A., Wellman, H. M. (2016). Young children prefer and remember satisfying explanations. Journal of Cognition and Development 17 (5), 718–736. doi.org/10.1080/15248372.2015.1098649
- [4]Ma, S., Cui, Y. K., Wan, S., Chen, E. E., Corriveau, K. H. (2024). Children consider informants’ explanation quality with their social dominance in seeking novel explanations. Child Development 95 (6), 2119–2132. doi.org/10.1111/cdev.14148
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